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The world is wide. Swim it. Ride it. Run it.

  • AutorenbildFabian Kremser

Was man nicht alles "muss"...

Da habe ich doch ein kleines Problem. Ich habe keine Ahnung, wie ich hier beginnen soll. Ich kann wieder und wieder durchkauen, dass es eine ganze Weile her ist, seit ich dieses Ding hier auf die eine oder andere Art bedient habe, doch mal ehrlich: das sieht man auf einen Blick.



Da war - ist - dieses Ding, diese Idee, die mich seit einer gefühlten Ewigkeit nicht loslässt. #chasing8 habe ich es letztes Jahr genannt und damit begonnen, in Form von einigen Videobeiträgen von meinen Ansichten und Erlebnissen zu berichten, die ich auf dem Weg dorthin so sammeln würde. Vielleicht ein wenig Kontext:


2006 erhielt ich das erste Mal vom Österreichischen Triathlonverband eine Profilizenz für die Triathlon-Langdistanz ausgestellt. Ich hatte einen riesigen Schritt auf dem Weg zu meinem Ziel, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen, geschafft und durfte bei den "Grossen" starten.


...dann geschah das Leben.


Es ist schwer, hier objektiv zu bleiben und sich nicht dazu hinreissen zu lassen, mit dem Finger auf andere zu zeigen oder verbittert zu wirken. Doch wenn ich ehrlich bin (und alles andere wäre nicht wirklich hilfreich), standen meine Chancen nie besonders gut, dass ich es schaffen würde, tatsächlich von der Tätigkeit als Athlet zu leben.


Warum?


Da ist zum einen die Tatsache, dass Triathlon nicht wirklich eine populäre Sportart ist. Ganz einfach: hier ist der Marktwert des Einzelnen nahe bei Null, da beisst die Maus keinen Faden ab.


Zum anderen ist es ebenso ein Fakt, dass es in diesem fantastischen, harten, tollen, fordernden Sport kaum je einer wirklich nach vorne geschafft hat, ohne zumindest eine Basis an Unterstützung zu haben. Und die... fehlte mir leider vor allem an den Punkten, an denen sie wirklich wichtig gewesen wären.


Wenn man vom eigenen Trainer Dinge gesagt bekommt wie "glaubst du nicht, dass du als Coach besser dran bist und dich besser auf das Betreuen von anderen Athleten konzentrierst?", weil besagter Trainer gleichzeitig auch der Arbeitgeber ist und einen wesentlich grösseren Nutzen von dir hat, wenn du für einen Hungerlohn seine Firma leitest anstatt draussen zu trainieren, dann ist das... nicht hilfreich.


Wenn das gesamte Umfeld einem wieder und wieder sagt, dass man "lieber etwas Richtiges" machen soll, anstatt einen Traum zu verfolgen, dann zieht das herunter. Wenn man aus nächster Nähe ins Gesicht gesagt bekommt, dass man anstelle einer neuen Bestzeit im Pool zu schwimmen doch besser "etwas für die Zukunft" getan hätte... dann frisst das an der Seele.


Nein, ich spreche nicht von finanzieller Unterstützung, wobei auch die etwas ist, über das man dringend reden sollte. Ich spreche davon, dass ich auf meinem Weg viele, viele Menschen traf, die mir klar zu machen versuchten, was ich alles NICHT konnte.

Wenn ich mich dagegen wehrte, bekam ich zu hören, dass sich sowieso niemand für mich interessieren würde und dass ich aufhören sollte, zu jammern.


Du MUSST dies. Du MUSST das. Was man nicht alles muss...


Man könnte auch sagen, dass das unsere Gesellschaft ist, doch das wäre zynisch.


Warum halte ich das hier fest?


Nun... die Chance, dass das, was ich zu sagen und erlebt habe, tatsächlich niemanden interessiert, ist gross und daran ist auch nichts falsch. Die Welt schuldet mir nichts und es ist bei Weitem nicht so, dass ich der Ansicht bin, eine Sonderbehandlung verdient zu haben, nur, weil ich an einem Tag schwimme, Rad fahre und laufe.


Dass es mir jedoch nicht zusteht, mein Bestes zu geben und alles daran zu setzen, meinen Weg auch wirklich zu gehen... dagegen möchte ich mich wehren. Und es hilft mir nicht, wenn ich klein beigebe, ins selbe Horn stosse und mir selbst einrede, dass ich den ganzen Sport nur zum Spass mache, es mir wichtiger ist, dass andere Erfolg haben, ich das alles emotionslos und "just for fun" mache... Damit muss ich vor allem mir zuliebe aufhören.


Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke und mir vor Augen halte, wohin mich das geführt hat, dann kann ich daraus nur schliessen, dass es allerhöchste Zeit ist, vor allem mich selbst wieder ernst zu nehmen.


Mein Weg bis hier war nicht einfach. Er wird es auch weiterhin nicht sein. Denn #chasing8 ist nach wie vor etwas, das ich verfolge. Was es damit auf sich hat?


2018 wurde ich krank. Ich verfiel nach und nach in eine Depression, die Ausmasse annahm, von denen ich heute noch nicht wieder ganz genesen bin. Tatsächlich führe ich ein Tagebuch, in dem ich die Tage zähle, die ich ohne einen emotionalen Zusammenbruch "geschafft" habe. "X Days without an incident", nenne ich es für mich. Doch dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.


Ich habe mich aus dem Ganzen irgendwie herausgezogen. Und auf dem Weg realisiert, dass ein grosser Teil dessen, was das alles ausgelöst hatte, daraus bestand, dass ich mich offenbar selbst verloren hatte. "Ich" - das war eigentlich seit kurz vor meinem 15. Geburtstag: Triathlon. 24/7, mit einer Akribie und Leidenschaft, die ans Besessene grenzte.


...und daran hat sich nichts geändert. Ich habe den Traum, nochmals als Profi zu starten, nie aufgegeben. Und ein erster Schritt in diese Richtung wird es sein, eine Langdistanz unter der (für mich) magischen 9-Stunden-Grenze zu beenden.


An diesem Punkt hörte man von mir in den letzten Jahren immer: "Ich habe keine Ahnung, ob ich das schaffe, aber ich will es wenigstens versucht haben".


Danke, Echo der Zeit. Früher war es: Auf die 12, mit Herz, Hirn und Hand, aber klar mache ich das.


Zeit, mich selbst wieder ernst zu nehmen. Zeit, damit aufzuhören, mich von der Vergangenheit platt machen zu lassen. Vielleicht greife ich das Ding mit den Videos wieder auf, denn Spass gemacht hat es mir ja. Vielleicht auch nicht.


Wichtig ist für mich vor allem eins: ich habe Ziele. Zeit, sich an die Arbeit zu machen.


Herzlich, Fabian

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