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Schreiben

  • Autorenbild: Fabian Kremser
    Fabian Kremser
  • 31. Jan.
  • 5 Min. Lesezeit

So ganz kann ich mich mit der Idee, dass der Januar schon wieder vorbei ist, nicht anfreunden. Es war doch gerade erst Dezember, Weihnachten kam näher und... ja, was, eigentlich?



In der Schweiz ist es Winter. Für einmal nicht nur gemäss Kalender, sondern auch meteorologisch. Die letzten Wochen war das Wetter kalt, es lag Schnee und der Boden war gefroren. Also das, was man von einem Januar erwartet.


Gleichzeitig verändert sich das Licht schon wieder und die Tage werden merklich länger, was mir persönlich sehr zusagt. So, wie ich in die letzten Monate des 2025 gestartet bin, hatte ich damit gerechnet, dass die dunkle Jahreszeit, nun, noch dunkler werden würde, doch irgendwie war sie vor allem eins: sehr schnell vorbei. Auch ein emotionales Koma scheint seine Vorteile zu haben. Dafür bin ich dankbar, denn es zeigt mir, dass die Kreise, die ich wohl noch immer wieder mal drehen muss, auch ein wenig kleiner werden. Das macht mir Hoffnung.


Doch nun ist es da, das 2026. Bereits nicht mehr ganz jung und bald schon in vollem Schwung. Zeit, mir einmal zu überlegen, was denn als Nächstes so auf mich zukommt.


Gewisse Dinge kann man nicht schönreden: ich hatte mir sowohl das Ende des Jahres 2025 als auch den Jahreswechsel sowie dieses kleine Ding da Anfang Januar anders vorgestellt und auch gewünscht.


Das Leben hat nun mal seine eigenen Regeln und es liegt mir fern zu behaupten, dass ich sie verstehe. Es geht aufwärts und abwärts, Menschen, Dinge, Erlebnisse kommen und gehen wieder. Das fasst auch das letzte Quartal meines 2025 zusammen und da brauche ich nicht weiter ins Detail zu gehen. Einiges habe ich ja bereits zu Genüge breitgetreten, das muss nicht nochmal aufgewärmt werden.


Am pauschalsten kann ich daraus mitnehmen, dass einem nichts und niemand aus Zufall ins Leben tritt. Weniges kommt, um zu bleiben - mehr kommt, um wieder zu gehen und einem etwas beizubringen. Was man damit macht, ist jedem selbst überlassen.


Ich habe versucht, das Ganze irgendwie kreativ zu nutzen. Ich habe schon immer gerne geschrieben, wobei es in den meisten Fällen halt bei, nun, Schreiben blieb. Wobei auch das ganz entsprechend meiner Natur nicht selten etwas ausartet.


Oh, mir ist absolut klar, dass ich mir hier von ChatGPT und wie sie alle heissen helfen lassen könnte. Das wurde mir auch schon empfohlen: "Hey, versuch' doch mal..."


Ich versuchte. Ich sah. Ich drehte beinahe durch.


Auch auf die Gefahr hin, mal wieder etwas zynisch zu werden: ist das wirklich ein Ding? Dass man sich nicht mal mehr die Zeit nimmt, einen Text selbst zu tippen, sondern irgendeinem Roboter sagt: "Mach' mal?"


Ich kenne die Antwort. Und ich halte grosse Stücke auf meinen neu entwickelten, sechsten Sinn, AI-generierten Mumpitz schnell zu erkennen. Das hatte auch in den letzten Wochen "Folgen": Ich habe 7 Newsletter abbestellt und bin 28 Instagram-Profilen entfolgt, Tendenz steigend.


Warum?


Wir kriegen immer wieder zu hören, dass unsere Zeit das Wertvollste ist, das wir haben. Das kann ich so bestätigen, weshalb ich mir sehr gut überlege, wem oder was ich meine widme. Gleichzeitig hat es für mich auch etwas mit Respekt zu tun: wie kann ich von jemandem erwarten, sich Zeit für mich (oder in dem Fall: für meine Texte oder ähnliches) zu nehmen, wenn ich selbst nicht bereit bin, mich entsprechend zu investieren?


Nehmen wir Emails: wieso soll ich eine Nachricht zu Ende lesen, bei der ich nach dem dritten Satz weiss, dass dahinter keine wirkliche Kontaktaufnahme steht, sondern ein Prompt, der einen sehr pauschalen Text generiert hat, welcher jetzt an eine beliebige Zahl von Empfängern und damit tendenziell Dummen hinausgeht?


Früher nannte man das Kaltaqkuise. Heute ist es normal und wird unter "das ist super praktisch" schöngeredet.


Es geht aber noch weiter.


Dieses Zeugs wird uns ja unterdessen auch für die direkte, zwischenmenschliche Kommunikation untergejubelt.


Vor nicht allzu langer Zeit durfte ich einer Gruppe junger Fussballer dabei zuhören, wie sie sich über den Umgang mit dem anderen Geschlecht unterhielten. So weit, so gut, gewisse Dingen ändern sich nicht: Die Tatsache, dass junge Männer - oder allgemein Männer, ich kenne hier nur diese Perspektive - schnell einmal zu kompletten Idioten verkommen, wenn sie sich in einer Unterhaltung mit einer weiblichen Person wiederfinden, ist wohl so alt wie die Menschheit selbst und ich bin da selber keine Ausnahme. Der Verlust der Muttersprache kann da schon mal auftreten und im Nachhinei fragt man(n) sich: "Warte mal... habe ich das gerade wirklich...?"


Aber keine Bange. Neuerdings gibt es dafür aber offenbar extra entwickelte, sogenannte "Flirt-Tastaturen" fürs Handy. Mein Rat an euch: Googelt das nicht. Das hab' ich für euch gemacht und seither werden die Werbeanzeigen bei mir immer skurriler.

Aber ich kann euch sagen: jep, das gibt es. Wirklich. Ihr habt also unterdessen die Option, euch eine künstliche Intelligenz auf euer Handy zu holen, die den Nachrichtenverlauf mit eurer oder eurem Angebeteten analysiert und euch "Flirt-Nachrichten" vorschlägt, die ihr auf Knopfdruck verschicken könnt.


Das Szenario, das sich hier in meinem Kopf breit macht, hat schon bald etwas Komisches. Wie muss ich mir das vorstellen?


Da sitzen zwei Menschen an unterschiedlichen Enden einer Stadt (oder von mir aus auch weiter entfernt) und lassen sich von ihren Telefonen vorgeben, was sie auf die jeweiligen Nachrichten antworten sollen. Sprich: eigentlich flirten gerade zwei Roboter miteinander, welche über die kognitiven Fähigkeiten eines vielleicht siebenjährigen Kindes verfügen, das per Zufall einen Brockhaus an die Rübe bekommen hat.


Was, wenn sich Romeo und Julia vom Dorfe dann treffen? Können die noch miteinander kommunizieren, ohne permanent Emojis zu nutzen, die ihre Stimmung unterstreichen? Oder verabschieden sie sich dann alle paar Minuten auf die Toilette, um unter vorgehaltener Hand ihren Chatbot zu Fragen: "Chantal hat mir gerade erzählt, dass sie gerne reitet, was meint sie damit und wie soll ich antworten?"


Vielleicht wird bei mir auch ganz einfach mein innerer Murtaugh langsam aktiv. Ich werde zu alt für den Scheiss. Seit ein paar Tagen bin ich 40 und eigentlich dachte ich, dass das nicht viel ändern wird...


Ja, viele dieser Maschinen können uns das Leben leichter machen, wenn wir sie richtig einsetzen, aber wenn wir unterdessen an einem Punkt sind, an dem die Roboter wörtlich für uns das Denken übernehmen und uns sagen, wie wir miteinander umgehen sollen... dann sehe ich langsam, aber sicher schwarz.


Gleichzeitig ist es hier wie mit den meisten Dingen: man kann ja auch ganz einfach von seinem Recht gebrauch machen, nicht mit diesem Strom zu schwimmen. Ich bin ohne Fernseher gross geworden und habe auch nicht vor, daran was zu ändern. Vielleicht gelingt es mir ja auch, die überwältigenden Wogen von AI und (A)sozialen Medien abzureiten? Einen Versuch ist es wert.


Ich kann ja auch ganz einfach an den Dingen festhalten, die mich bis hier gebracht haben: Stift, Papier, eine Tastatur und hin und wieder ein Mikrofon sowie eine Kamera.


Ich habe schon immer gerne geschrieben. In den letzten Tagen des letzten Jahres ist dabei einmal etwas dezent musikalisches entstanden, das mich zwar sehr weit aus meiner Comfortzone geholt, mir gleichzeitig aber auch auf verschiedenen Ebenen geholfen hat. Das Resultat könnt ihr euch hier ansehen und anhören, wenn ihr wollt. Mir ist bewusst, dass ich keins der Dinge, die ich hier tue, sonderlich gut kann. Darum geht's mir aber auch nicht. Vielmehr habe ich versucht, einiges, das mich im letzten Jahr beschäftigt hat, zu verarbeiten, abzuschliessen und mich dann auf den Weg zu machen, eine nächste Runde zu drehen.


Wer weiss, wo sie mich hinbringt?


Ich wünsche euch ein frohes, neues Jahr 2026.


Herzlich,

Fabian





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