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The world is wide.

Swim it.

Ride id.

Run it.

  • Fabian Kremser

Warum?

Kaum ein… nein, kein Thema erhitzt seit unterdessen gut zwei Jahren die Gemüter so sehr wie das Coronavirus. Ich habe versucht, mich da weitgehend rauszuhalten, doch ab und an kann ich das alles eben doch nicht einfach so von mir fernhalten.

Anscheinend habe ich einmal die Aussage geprägt, dass es eigentlich keine Wut gibt, sondern nur Angst. Da ich mich da nicht dran erinnern kann, nehme ich das einfach mal so an und stecke vielleicht auch fremde Lorbeeren ein, geniesse aber gleichzeitig den Gedanken, dass da vielleicht doch ab und zu noch was Brauchbares aus der alten Denkmurmel kommt.


Wenn man das nämlich einmal so annimmt, dann bekommt alles, eigentlich wirklich alles rund um diese Pandemie ein ganz anderes Gesicht.


Was, wenn…


…die Angst vor dem Ungewissen tatsächlich die treibende Kraft hinter den verschiedenen Bewegungen ist, die sich gegründet haben?


…die Angst vor dem Virus dazu führt, dass sich Menschen kaum noch auf die Strasse trauen, was am Ende in Wut auf jene umschlägt, die es dennoch tun?


…die Angst davor, dass sich unsere vom Wohlstand geprägte Welt tatsächlich verändern könnte, so stark ist, dass man nach jedem sich bietenden Strohhalm greift, der einen glauben lässt, dass da dunkle Mächte am Werk sind?


Ich für mein Teil habe mich in den letzten Jahren eher weniger meiner Freiheit beraubt gefühlt. Klar, mal ins Restaurant zu gehen oder auch nur schon regelmässig zu schwimmen wäre im vergangenen Winter was Nettes gewesen, doch ging's auch ohne. Nur… das bin ICH. Ich kann nicht nachvollziehen, was in den Köpfen und Herzen von Menschen vor sich geht, die vor allem im Sommer regelmässig demonstrierten, die Referenden einreichten gegen Regierungsentscheide, die heute noch regelmässig auf allen sozialen Medien Dinge teilen, welche die Leute "aufwecken" sollen. Und mir "ich kann nicht nachvollziehen" meine ich nicht, dass ich der Ansicht bin, dass diese Leute seltsam handeln oder ich mich ihnen überlegen fühle. Es heisst ganz einfach, dass ich nicht in ihrer Haut stecke, nicht ihre Ängste teile und deshalb nicht nachfühlen kann, wie es zu solchem Verhalten kommt. Ich bin froh, muss ich diese Ängste nicht haben. Und ich halte es jederzeit für möglich, dass sich irgendwann herausstellen wird, dass ich mit meiner Ansicht falsch lag – und einige andere mit der ihren richtig. Doch ob das ein Grund sein sollte, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen? Sich als Schafe, Asoziale, Nazis und was weiss ich noch alles zu bezeichnen? Auf Biegen und Brechen zu versuchen, andere mit jedem Argument, das sich gerade irgendwo bietet, von der eigenen Meinung zu überzeugen?


Niemand mag es, sich immer wieder eine Maske vors Gesicht zu ziehen. Doch wenn damit geholfen ist, warum also nicht? Warum muss man sich Studien zusammensuchen, die "beweisen", dass die Masken nichts bringen? Warum muss man Vermutungen anstellen, dass auch in den Operationssälen der Welt die Masken "erst seit Corona bis über die Nase getragen werden, davor hatte die niemand so an!"?

Ja, eine neue Impfung bringt neue Risiken mit sich, doch warum muss man diejenigen, die sie ablehnen, als "Asoziale" bezeichnen? Warum ist es in Bezug auf Abtreibungen okay, das Prinzip von "my Body, my Choice" geltend zu machen, in Bezug auf eine Impfung aber nicht? Oder umgekehrt: Warum ist es in Ordnung, Kindern beizubringen, nicht mehr mit den Kindern von geimpften Eltern zu spielen? Oder mit ungeimpften? Warm darf man jene, die sich impfen lassen, als "Schafe" bezeichnen?


Ich habe darauf keine Antwort. Wie gesagt: die Zeit wird es zeigen. Ich habe nur Vermutungen. Wenn man davon ausgeht, dass wir derzeit alle, also als Kollektiv, enorm verunsichert und verängstigt sind, dann bekommt das ein anderes Gesicht. Dann ist der Vater, der entschieden hat, dass seine ganze Familie nicht geimpft wird, auf einmal in erster Linie verunsichert, ob er die richtige Entscheidung getroffen hat. Jedes Mal, wenn er einen neuen Artikel liest, der besagt, dass die Impfung gut und sicher ist, wird er noch unsicherer sein, ob er nicht gerade seine ganze Familie einem immensen Risiko aussetzt. Und die Mutter, die ihre ganze Familie hat impfen lassen, wird Angst wissen, dass diese (wohl) in erster Linie vor einem schweren Verlauf schützt und sich bei jeder Meldung zu neu aufgetauchten Nebenwirkungen hinterfragen, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hat…


Beide werden sich am Ende gleich verhalten, wenn auch von verschiedenen Seiten her: beide werden sich nach jedem Strohhalm sehnen, der ihnen ein wenig halt in ihrer Weltanschauung gibt. Der ihnen sagt: Ja, du hast richtig gehandelt.


Warum können wir nicht einfach auf dieser Basis wieder zueinander finden? Warum können wir, wenn wir alle verängstigt und verunsichert sind, nicht auf diesem gemeinsamen Nenner miteinander reden und uns Mut machen? Ich wünsche jedem, der sich nicht impfen lässt von Herzen, dass er resp. sie von dem Virus verschont bleibt und im Ernstfall keinen schweren Verlauf hinnehmen muss, genauso, wie ich jedem, der sich impfen lässt wünsche, dass er resp. sie die Impfung ohne grosse Nebenwirkungen verträgt und dass sie die Hilfe ist, die man sich gewünscht hat.


Warm versuchen wir nicht einfach, wieder mehr zueinander zu finden?


Herzlich,

Fabian


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