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  • Fabian Kremser

Talent

Was ist Talent? Ist es eine natürliche Begabung, die zutage tritt, oder eine Fertigkeit, die man einfach perfekt beherrscht, ohne etwas dafür tun zu müssen?

Ein weiteres Thema, das heutzutage nicht ganz einfach ist. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es irgendwie nur noch hochbegabte, übertalentierte Kinder gibt, so sehr sind sie (meist laut ihren Eltern) "ihrem Alter voraus" und dergleichen. Auch im Sport ist man davor nicht gefeit, gibt es doch auch dort viele "Talente", die meist dadurch auffallen, dass sie zum Anfang ihrer Laufbahn überdurchschnittlich gut waren, dieselbe dann jedoch meist genauso schnell wieder aufgeben, weil...


Ja, warum eigentlich?


Vor kurzem gelang es mir, diese ganze Situation einmal aus meiner Sicht und in einem Satz zusammen zu fassen:


"Talent bringt dich nur bis an den Anfang der Realität".


Auch mir wurde vor einiger Zeit einmal ein gewisses Talent attestiert. Damals gewann ich an Triathlonrennen oft meine Altersklasse und kam auch nicht selten vor solchen ins Ziel, die weitaus mehr Erfahrung und Training mitbrachten als ich. Doch war ich in diesem Sport einfach nur gut, ohne etwas dafür tun zu müssen?


Kurz: nein, nein und nochmals nein. Ich war weder als Sportler geboren noch fiel mir auch nur eine der Disziplinen jemals leicht. Das einzige, was ich mitbrachte war... nun, ich WOLLTE. Und ich setzte dies über alles andere. Was man wahr nahm, war ein junger Mann, der mit 16, 17 Jahren ein Rennen nach dem Anderen gewann und damit etwas tat, was für sein Alter aussergewöhnlich war. Als ich dann mit 18 das erste mal einen Ironman finishte, diese Leistung ein Jahr später nochmals wiederholte und danach als jüngster Athlet überhaupt eine Profilizenz für die Langdistanz bekam, hiess es abermals: der hat eben Talent.


Und ja! Das war auch der Punkt, an dem ich das selber zu glauben begann. Wenn ich an meinen zweiten Ironman zurückdenke, 2005, dann kann ich nur sagen: was für ein arroganter Kotzbrocken muss ich gewesen sein! Ich stolzierte am Morgen auf dem Platz herum, als gehöre mir das Areal, verpasste um ein Haar den Start weil ich noch am Ufer herumstand und schwatzte... und bekam dann dermassen gehörig auf den Deckel, dass die kommenden knapp 10 Stunden eine einzige, andauernde Lektion in Demut wurden.


Dennoch fühlte ich mich danach für eine Weile fast schon berechtigt, einfach Erfolg zu haben. Klar, ich trainierte, doch verkörperte ich im Wesentlichen auch immer gerne mal die Ansicht, dass gewisse Regeln für mich schlicht nicht galten. Mal etwas lockerer angehen? - Pha. Mal nicht ganz so viel trainieren, länger schlafen? - Aber hallo, geht's noch? Dinge wie Ernährung und Gesundheit ein klein wenig beachten? - Mit wem glaubst du, redest du! Und so weiter...


Doch auch da lernte ich schnell, dass mich kein Talent jemals so weit gebracht hatte. Und auch, dass ich nichts besonderes war / bin. Stattdessen brachte mich mein "Talent" mir rasanter Geschwindigkeit an eben jenen Anfang der Realität. Und ich hatte die Wahl: Entweder akzeptierte ich sie und begann, die entsprechende Arbeit zu tun, oder aber meine Karriere wäre schneller zu Ende, als ich "Popocatepetl" buchstabieren konnte.


In meinem Fall kamen zwei Faktoren zusammen, die gemeinsam bewirkten, dass ich noch immer da bin: der eine ist ganz klar Glück. In meinen ersten Jahren in diesem Sport und auch als Jung-Profi machte ich sehr viel instinktiv richtig und verletzte mich nie. Das war wirklich Glück, denn es hätte auch anders kommen können. Das Zweite war, dass ich gerne lernen wollte. Ich wollte WIRKLICH - und hatte darum auch nicht die grössten Probleme damit einzusehen, dass ich eigentlich nicht sonderlich viel konnte, wusste oder leistete. Also begann ich zu lernen, Wissen anzusammeln und ernsthaft zu arbeiten.


Die Moral von der Geschichte?


Ich denke, "Talent" ist eine etwas heikle Sache. Ich habe zum Beispiel noch keinen einzigen "Talentierten" Athleten lange genug aktiv gesehen, bis der wirkliche Erfolg kam. Was ich stattdessen zahllose Male erlebt habe, sind "untalentierte", die sich eben nicht auf den Fremdattestierten Fähigkeiten ausruhten, sondern unermüdlich arbeiteten, bis sie die Talente auf der Strecke überholten und den verdienten Sieg einfuhren.


Harte Arbeit besiegt Talent langfristig immer - das könnte man vielleicht so zusammenfassen.


Herzlich,


Fabian


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