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  • Fabian Kremser

Stress

Irgendwie scheint es diese Tage zum guten Ton zu gehören, permanent im Stress zu sein. Wir haben keine Zeit für dieses und jenes, sind andauernd "am Limit" und arbeiten uns von Urlaub zu Urlaub, nur, um danach immer wieder sofort in exakt die Situationen zurückzukehren, vor denen wir geflohen sind.

Am Ende sollte man denken, dass jeder sein Leben selbst im Griff und die Verantwortung darüber hat, doch darf man dabei auch nicht vergessen, was Stress eigentlich ist: Stress ist Gift.


Okay, das ist noch nicht ganz wissenschaftlich, also etwas genauer. Wikipedia meint dazu:


Stress (englisch für ‚Druck, Anspannung‘; von lateinisch stringere‚ anspannen‘) bezeichnet zum einen durch spezifische äußere Reize (Stressoren) hervorgerufene psychische und physische Reaktionen bei Lebewesen, die zur Bewältigung besonderer Anforderungen befähigen, und zum anderen die dadurch entstehende körperliche und geistige Belastung.


Das ist nett. Und irgendwie so gar nichts sagend…


Was hängen bleibt sind Eckpunkte wie "Anspannung" und die Reaktion darauf. Ein wenig heruntergekocht kann man vielleicht sagen: Stress ist für den Körper eine komplette Anspannung auf allen Ebenen, sowohl auf der psychischen als auch auf der emotionalen und der mentalen. Diese Anspannung führt zu hormonellen und metabolischen Störungen, welche nach und nach mehr oder weniger jedes lebenswichtige System beeinflussen und mit der Zeit auch kaputt machen können.


Auf Stress reagieren nebst unseren Hormonen auch unsere Zellen, denn sie stehen in einem direkten Zusammenhang MIT den Hormonen, sprich, diese können ihre Funktion entweder verbessern oder auch verschlechtern. Das heisst weiter: bei Stress leidet der Zellstoffwechsel, was dazu führt, dass im Körper Mängel an Mikronährstoffen entstehen und gewisse Energien nicht mehr verbrannt werden können (zum Beispiel Fett – dass man unter Stress oft zu- oder wenigstens nicht abnimmt, hängt mit all dem zusammen).


Es gibt viele Theorien dazu und eine besagt, dass der Körper Stress immer nur auf eine Art verarbeitet, sprich, es ist letzten Endes egal, ob man sich im Training ans absolute Limit des Nirvana bugsiert oder ob man emotionalen Stress ohne Ende hat – der Körper geht kaputt. Dass übermässiges Training den Körper zerstört, ist vielen klar (wobei da auch gerne mal gilt, dass man aus der eigenen Perspektive die Dinge eher so sieht, dass sie anderen zustossen und man selbst davor gefeit ist). Doch dass das Psychische – und damit auch das Soziale – einen ebenso grossen Einfluss haben kann, ist vielen nicht präsent. Auch hier gibt es auf Wikipedia eine schöne Liste, die einige dieser Faktoren einmal betitelt. Ich zähle mal eben auch auf:


- Chronische Konflikte in der Paarbeziehung

- Zeitmangel und Termindruck

- Lärm

- Geldmangel, Armut, Schulden, Überschuldung

- Fehlende Gestaltungsmöglichkeiten, mangelndes Interesse am Beruf und in der Freizeit

- Grosse Verantwortung

- Mobbing am Arbeitsplatz, Mobbing in der Schule, Mobbing im Alltag

- Schichtarbeit (bewirkt eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus und gesundheitliche Probleme)

- Ständige Konzentration auf die Arbeit (zum Beispiel Fliessbandarbeit)

- Angst, nicht zu genügen (Versagensangst)

- Perfektionismus (überhöhte Ansprüche an sich selbst und an andere)

- Soziale Isolation, Verachtung und Vernachlässigung

- Schlafentzug

- Reizüberflutung

- Krankheiten und Schmerzen, eigene und die von Angehörigen

- Seelische Probleme, unterschwellige Konflikte

- Schwerwiegende Ereignisse (beispielsweise ein Wohnungseinbruch, eine Operation, eine Prüfung)

- Auch (unausgleichbare) Unterforderung, Langeweile und Lethargie

- Überforderung durch technische Entwicklungen (Technikstress, Technostress)

- Überforderung durch soziale Interaktion

- Stress durch die Bedrohung des Selbst (eigenes Scheitern oder die Respektlosigkeit anderer)

- Uvm.


Tja. Da bekommt man sowas vor den Latz geknallt. Und zumindest mir ging es gerade ebenso: Ich dachte mir "Check! Check! Check!..." Ich glaube, da muss ich morgen mal noch etwas genauer darauf eingehen, doch das braucht ein wenig Vertiefung. Sprich, ich muss darüber nachdenken.


Bleiben wir aber noch einen Moment dabei und sehen uns auch einige der "typischen Stress- / Panik- / Krisen-Reaktionen" an. Bei Erwachsenen wären das so…:


- Gehirn: Abbau von Gehirnmasse, Einschränkung der emotionalen Ebene, Durchblutungsstörungen im Gehirn


- Gefühle: Traurigkeit, Verlustangst, Ärger, Schuld, Vorwürfe, Angst, Verlassenheit, Müdigkeit, Hilflosigkeit, „Schock“, Jammern, Taubheit, Leere, Hoffnungslosigkeit, Deprivation, Demütigung, Steigerung des aggressiven Verhaltens, Bewegungsdrang, Gereiztheit, emotionsloses Denken


- Kognition: Ungläubigkeit, Verwirrung, Vorurteile, Konzentration, Halluzinationen, Depersonalisation, Vergesslichkeit


- Körperlich: Schwitzen, Übelkeit, Enge in Kehle und Brust, Übersensibilität bei Lärm, Atemlosigkeit, Muskelschwäche, Verspannung von Muskeln, Mangel an Energie, trockener Mund, Magen- und Darmprobleme, zeitbedingte Impotenz, Haarausfall, schlechtes Hautbild, rötliche Augen, verminderte Mimik, Herzstechen, Hörsturz, Gelenkschmerzen, Hautausschlag, Schwächung des Immunsystems, Magnesium- und Kalziummangel, langfristige Störung des Verdauungsprozesses sowie erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzinfarkt


- Verhalten: Verminderte Kreativität, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Geistesabwesenheit, sozialer Rückzug, Träume über das Ereignis, Vermeidung von Nähe zu Tatort oder ähnlichen Situationen, Seufzen, Aktivismus, Weinen, Hüten von „Schätzen“


- …und noch mehr…


Und bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 1 bis 5:


- Daumenlutschen, Bettnässen, Dunkelangst, Angst vor Tieren, Klammern, Nachtangst, Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz, Verstopfung, Stottern / Stammeln, Appetitlosigkeit oder Heißhunger, Schwitzen


Von 5 bis 11:


- Irritiert sein, Jammern, Klammern, Aggressivität, Geschwisterrivalität, Alpträume, Dunkelangst, Schulangst, Fingernägel kauen, sozialer Rückzug von Gleichaltrigen, Interesselosigkeit, Konzentrationsmangel, Schwitzen


Von 11 bis 14:


- Schlafstörungen, Essstörungen, Rebellion daheim, mangelndes Interesse an Aktivitäten Gleichaltriger, Schulprobleme (z. B. Gewaltneigung, Rückzug, Interesselosigkeit, Mittelpunktsstreben), physische Probleme (z. B. Kopfweh, undefinierbare Schmerzen, Hautprobleme, Verdauungsprobleme, sonstige psychosomatische Beschwerden), Schwitzen


Von 14 bis 18:


- Psychosomatische Beschwerden, Störungen des Appetits und des Schlafes, hypochondrische Reaktionen, Durchfall, Verstopfung, Menstruationsbeschwerden, Steigerung oder Senkung des Energielevels, sexuelles Desinteresse, Abnahme von Durchsetzungskämpfen mit Eltern, Konzentrationsmangel, Schwitzen


…und auch hier ist das die Spitze vom Eisberg. Zudem darf man auch nicht vergessen, dass nicht alle Kinder (und auch nicht alle Erwachsenen) gleich schnell aufwachsen und sich entwickeln. Man kann also ein munteres Kreuzraten daraus machen…


Einigen wir uns doch auf Folgendes: Stress ist nicht etwas, das man ein wenig hat, wenn man mal zu spät zur Arbeit kommt. Stress ist vielmehr ein Gift, das unsere Gesellschaft, unsere Kinder, ja, alle langsam, aber sicher mehr und mehr in den Griff bekommt. Und krank, wie wir dadurch sind, sind wir teilweise auch fast schon stolz darauf, permanenten Stress zu haben: das heisst vermeintlich, dass wir ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft sind. Was für ein Käse…


Ich lasse das jetzt erst mal setzen, gehe an die frische Luft und mache mir so meine Gedanken.


Herzlich,

Fabian


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