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  • Fabian Kremser

Solidarität

Aktualisiert: Aug 28

"Sich auf das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Eintreten füreinander gründende Unterstützung."

Gross wurde sie geschrieben, die Solidarität, in den letzten anderthalb Jahren. Vor allem zu Beginn der Coronakrise, als der erste Lockdown ausgerufen wurde und die ganze Schweiz hin und wieder nachmittags klatschend auf den Balkonen stand (oder zumindest jene, die irgendwie glaubten, dadurch tatsächlich die Situation der teils masslos überarbeiteten Pflegehilfskräfte zu verbessern). Man bot älteren Nachbarn an, für sie einzukaufen, traf sich auf Zoom und bot Seelsorge an. Zusammen schaffen wir das.


...bis klar wurde, dass das Ganze doch nicht einfach in drei Wochen zu Ende sein würde. Also kippte die Stimmung in eidgenössischer Manier, man hielt Mahnwachen für die Freiheit vor dem Bundeshaus und rief Wolf, während man gleichzeitig eine Lösung, eine Impfung forderte, nur um sie dann sofort abzulehnen, als sie tatsächlich sehr schnell kam und offenbar auch funktionierte.


Ich habe es schon mal erwähnt: ich habe die Diskussionen satt. "Ich will mir erst mal meine eigene Meinung bilden". Wir kennen es alle. Warum reite ich dennoch drauf herum?


Nun... seit gestern bin ich in Dänemark. Ich kann hier in Geschäfte gehen, Restaurants besuchen und mit der Metro fahren ohne eine Maske zu tragen. Ich muss zeitweise mein Covid-Zertifikat vorweisen und kann mich dann frei bewegen. Und ich frage mich: warum klappt das in der Schweiz nicht? Warum haben wir in der Eidgenossenschaft heute eher Probleme, Missgunst und Diskussionen anstelle einer Lösung?


Eine mögliche Erklärung liegt für mich in der Solidarität. Denn diese wird hier in Dänemark gelebt wie sonst kaum an einem Ort.


Das beginnt schon bei den Steuern. Zwischen 37 und 60 Prozent des Monatslohns werden hier als Steuern abgezogen. Je mehr man verdient, desto mehr Steuern zahlt man. Von diesen Steuern wird das Gesundheitswesen finanziert, die Schulen, öffentlichen Einrichtungen... und so weiter. Kurz: egal, wie hart und gut bezahlt man arbeitet, man ist sich jederzeit bewusst, dass man nicht nur für sich selbst, sondern wortwörtlich auch für den vielleicht etwas schlechter situierten Nachbarn arbeitet.


Und in der Schweiz? Da zahlt einer mit einem Netto-Einkommen von 14'000 pro Monat je nach Verbindungen, die er hat, womöglich weniger Steuern als jemand, der sich mit knapp 3'000 durchschlägt. Und Herr Meier dreht durch, wenn sein Nachbar auch nur 5 Rappen mehr von den Steuern abzieht und dadurch vielleicht einen Vorteil haben könnte.


Kurz: in meinen Augen gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen gelebter Solidarität und einer, die man als Fassade der Rechtschaffenheit auf eine Visage zimmert, die eigentlich eine schlechte Clownmaske wäre...


Ich denke, da haben wir noch viel zu tun.

Herzlich,

Fabian


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