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  • Fabian Kremser

Sünde

Witzig. Dass Bildersuchen oft etwas dogmatisiert wirken, ist mir schon vor einiger Zeit aufgefallen. Heute hat es mich aber echt amüsiert: gebe ich den Begriff "Sünde" in die Suchleiste ein, bekomme ich entweder eine geballte Ladung teils stilisierter, jedoch in erster Linie christlicher Mythologie (so Apfel, Schlange und so...) oder aber: Nahrungsmittel. Allen voran: Schokolade!

Ich finde das ziemlich tragisch. Klar, wer dauerhaft viel zu viel Schokolade isst, der - oder die - wird früher oder später die Konsequenzen serviert bekommen. Die Palette reicht hier von Gewichtszunahme bis hin zu Diabetes oder sonstigen netten, nur schwer zu heilenden Symptomen. Paradoxerweise dreht es sich auch bei dem soeben genannten Apfel um eine Fressalie, die das Ende des Paradieses einläutete, woraus sich schliessen lässt: Essen, egal in welcher Form, ist Sünde, auch wenn man damit den Arzt fernhalten kann. Das ginge sogar so weit, dass man den Bogen ganz schliessen kann: wenn die Konsumation eines Apfels eine Sünde ist, gleichzeitig aber den Doktor fernhält - also die Gesundheit fördert - dann ist es der Gesundheit zuträglich, regelmässig - täglich! - zu sündigen?


Ich schreibe hier gerade Unsinn erster Güte, das ist mir absolut bewusst. Wie kam ich denn hier überhaupt hin?


Ach ja! Mir ging heute nach einer kurzen Konversation zum Thema Essen mal wieder nicht aus dem Kopf, warum so viele darauf bestehen, die ganze Zeit davon zu reden, zu "sündigen" oder Dinge sagen wie "ich sollte ja nicht, aber...". Woran liegt das?


Satteln wir den Gaul von hinten auf, mir ist gerade danach. Was ist denn eine Sünde? Hilft mir da Wikipedia? Natürlich:


Sünde ist ein religiös konnotierter Begriff. Im christlichen Verständnis bezeichnet er den unvollkommenen Zustand des von Gott getrennten Menschen und seine falsche Lebensweise (d. h. das Übertreten von oder Herausfallen aus der göttlichen Gesetzesordnung).


Ach du liebe Zeit! Bitte was? Wenn ich das richtig verstehe, dann ist also alles Sünde, was nicht der göttlichen Gesetzesordnung entspricht? Wie sieht die denn bitte aus? Und ich meine damit nicht die durch Jahrhunderte von Interpretation und Übersetzung verwaschenen, mannigfaltigen Auslegungen einer Bibel. Gibt's da irgendwas konkretes?


Ich kann mir ja schon vorstellen, dass man sich als Gottheit oder Schöpfer (so "Er" denn männlichen Geschlechts sein sollte) so seine Gedanken macht, bevor man so ein Experiment wie unsere Spezies startet. Auch wenn's nur ist: ich geb' ihnen einen tollen Planeten, der so schön ist, dass selbst die schnulzigsten unter ihnen teils vor Rührung fast kotzen müssen, gebe ihn viele Ressourcen, Intelligenz, freien Willen, Empathie, die Fähigkeit, zu lieben, einen eigenständigen Geist... und, ja, Schiesspulver und so, das wird der Hit!


Könnte ja sein. Wirklich wissen tut das niemand. Auch nicht die, die es behaupten, von uns war nämlich damals niemand dabei. Aber eins lässt sich doch noch irgendwo erkennen: eigentlich alle religiösen Strömungen (und NICHT deren Interpretation), vom Christentum bis zum Hinduismus, vom Buddhismus bis zum Satanismus, von Asatrú bis zum Pastafarianismus unterliegt ein einfacher Grundgedanke: Seid keine Arschlöcher. Nicht zueinander, nicht zu jemandem, der anders denkt als ihr. Einfach nicht. Geht aufrecht durchs Leben, befolgt die Regeln eurer Gesellschaft (und nicht die, von denen ihr behauptet, ich hätte sie euch eingeflüstert, weil euch die Berufung auf mich als höhere Autorität mehr Leute ins Bett bringt) und gebt ganz einfach euer Bestes.


Also eigentlich ja ganz einfach und auch gut, oder?


Und das hat jetzt nun mal so wirklich gar nichts mit Schokolade oder Essen im Allgemeinen zu tun. Wer mir die Stelle in einer der offiziell anerkannten Bibeln oder Schriften zeigt, die sagt, dass man sich an einer göttlichen Entität und deren Ordnung vergeht, wenn man sich Abends eine Kerze anzündet und bei einem guten Buch eine Tasse heisse Schokolade trinkt, dem gebe ich einen aus!


Und ja. Klar gibt's da noch die sieben "Todsünden" (auch bekannt als "wie man eine gute Party schmeisst" oder so). Da steht "Völlerei" drauf. Aber... etwas zu essen, das man vielleicht irgendwann auf den Rippen wiederfindet und "Völlerei" sind nun wirklich nicht das Gleiche. Oder sehe ich das falsch?


Wie dem auch sei, ich will hier weder die Religionen auseinandernehmen (das wäre zwar spassig, doch auch ziemlich mühsam) noch auf wirklich etwas Tiefgründiges hinaus. Mir geht es nur um Folgendes:


Hört bitte, bitte auf, euch permanent schuldig zu fühlen, wenn ihr euch etwas Gutes tut oder wenn ihr etwas geniesst. Die Advents- und Weihnachtszeit kommen auf uns zu und sie bringt leider nicht nur Frieden auf Erden, sondern nochmals etwas Unmut betreffend eines gewissen Virus. Das können wir nur bedingt beeinflussen, darum kann es sein, dass die nächsten Woche nochmals nicht sehr fröhlich werden - auf einer globalen Ebene.

Seid also gut zu euch. Kümmert euch mal etwas mehr um euch selbst. Esst gut. Trinkt ein Glas zu viel. Geniesst das Eis und die Schokolade, von den Weihnachtskeksen ganz zu schweigen. Nehmt ein Bad, zündet Kerzen an, lest ein Buch, kuschelt euch ein und schaut alle drei Teile von "The Lord of The Rings" an einem Stück. Sowas halt.

Nur: hört auf, euch zu verteidigen und zu rechtfertigen, wenn ihr etwas Trost in Form von Pralinen oder sonstigem Zucker braucht. Und wenn ihr etwas zunehmt dabei... das vergeht auch wieder.


Und zu guter Letzt: WENN ihr im neuen Jahr ein paar Kilos zu viel habt und die loswerden möchtet, glaubt mir (ich bin vom Fach): abnehmen ist viel, viel einfacher und lustiger, wenn man nicht die Vergangenheit bereut, sondern sich auf die Zukunft freut!


In diesem Sinne.


Herzlich,

Fabian


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