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  • Fabian Kremser

Ratschläge

Aktualisiert: Nov 24

An sich ist es ja einerlei, was man sich im Leben vornimmt und wie man es angeht. Man wird immer Menschen begegnen, die einem gute Ratschläge geben. Okay, das tue ich auch, es gehört sogar zu meinem Beruf, doch ich unterscheide hier ein wenig zwischen dem Rat, den ich auf Anfrage hin gebe und jenem, um den man weder bittet noch den man sucht.

Bloggen zum Beispiel. Das sollte doch eigentlich etwas sein, das man ohne grosse Schwierigkeiten in Angriff nehmen kann?


Ist es auch. Praktisch jeder Depp kann sich irgendwo auf eine Plattform registrieren und seinen Senf meistbietend im Ätherverteilen. Hier, Beweisstück A. ("Praktisch" deshalb, weil es halt nicht überall gleich um das Dingens mit der Meinungsfreiheit bestellt ist und schon gar nicht um jene, diese Meinung auch zu äussern. Da erfreue ich mich des Privilegs, nicht in China oder im nahen Osten zu leben.)


Dennoch habe ich schon gute Ratschläge erhalten, was dieses Experiment hier angeht. Experiment? Nun... ja, ich will auf empirischem Weg herausfinden ob ich es fertig bringe, 365 Tage in Folge mit etwas aufzukommen, das ich niederschreiben kann, und sei es noch so dämlich. Dass das nicht immer die literarisch hochstehendsten Werke sein können, liegt auf der Hand und wenn es mitunter so erscheint, als hätte ich mich hier ordentlich schwer getan, überhaupt ein paar zusammenhängende Sätze zu bilden, dann deshalb, weil es genau so war, ist und sein wird. Experiment also.


Und die Ratschläge? "Du bildest da Meinungen, damit hast du eine Verantwortung". "Sei bloss nicht zu radikal oder zynisch, das mögen die Leute nicht". "Du solltest keine Kraftausdrücke verwenden, das kann die Leute beleidigen". Und noch so ein paar Perlen.


Ahem.


Ich bilde hier Meinungen? Also mal im Ernst: ich HABE Meinungen und dass die nicht unbedingt richtig sein müssen, da bin ich der erste, der das zugibt. Aber bilde ich welche? Ich sag's mal so: wenn tatsächlich jemand versucht ist, sich hier von irgend etwas dermassen beeinflussen zu lassen, dass es seine Weltanschauung nachhaltig beeinflusst, dann ist das nichtmein Problem und schon gar nicht meine Absicht. Hey, ich bin Triathlet! Ich habe Chlorwasser, Carbon und Schnürsenkel im Kopf, zumindest die meiste Zeit. Und den Rest fülle ich mit Dingen, die entweder nicht jugendfrei, ungesund oder illegal sind, auch wenn das ein äusserst blöder und abgelutschter Witz ist. Man kann nicht im einen Moment an den gesunden Menschenverstand appellieren und dann im gleichen Atemzug der Bevölkerung das Urteilsvermögen absprechen, ob man sich von einem simplen Blog auf der Website eines Sport-Dinosauriers beeinflussen lässt. Ich vertraueganz einfach mal drauf, dass das kein grosses Problem wird.


Bin ich radikal? Bin ich zynisch? Ich mag einen gesunden Sarkasmus hin und wieder und ja, auch der Zynismus ist mir nicht fremd, wobei es zugegebenermassen nicht immer ganz leicht fällt, eine klare Linie zwischen eine zynischen Aussage und ganz einfachem Meckern zu ziehen. Und dabei muss man noch nicht mal sonderlich weit gehen, um vor diesem Problem zu stehen: wenn ich beispielsweise Bewertungen von Deutschen Hotelgästen lese, bin ich jedes einzelne Mal verwirrt. Sind die echt so dermassen überrascht davon, dass es in einem Spanischen Hotel eine Putzfrau gibt, die nur, oh Wunder, Spanisch spricht? Oder ist das reinrassiger Zynismus aus dem Land der Denker und Dichter? Man merkt: das ist nicht leicht. Trotzdem macht mir manchmal sowohl das eine als auch das andere Spass.


Und das Radikale? Okay, ich gebe zu, dass ich einige Ansichten habe, die man vielleicht, vielleicht als radikal bezeichnen könnte, aber sind wir schon so weit, dass meine Abneigung gegenüber faulen Menschen eine Form der Radikalisierung ist? Das hoffe ich doch wohl nicht. Ah, und übrigens: Sätze wie "das mögen die Leute nicht" stellen eine Aussage sofort ins Abseits. Denn, mein lieber Herr Gesangsverein, was du mir eigentlich damit sagen willst ist, dass DU so etwas nicht magst, dass du aber zeitgleich bei der Vergabe von Rückgrat irgendwo im Bällebad tauchen warst und deshalb darauf angewiesen bist, möglichen Ärger durch das Verweisen auf eine vermeintlich grosse Autorität (in diesem Fall "die Leute") zu vermeiden.


Das gilt auch für die Kraftausdrücke. "Das kann die Leute beleidigen?" Ja scheiss' die Wand an, da ist es schon wieder. Vielleicht sollte man sich mal fragen, weshalb das eigene Ego dermassen labil ist, dass man sein Innerstes aus der Balance geraten sieht, wenn man sich von Ausdrücken wie "Waschlappen" oder "Weichei" beleidigt fühlt. Küchenutensilien und Frühstücksgerichte können ja schon etwas einschüchternd wirken und mir ist auch absolut klar, dass nicht das Wort die Beleidigung ergibt, sondern der Kontext, doch ich vertrete die starke Meinung, dass man ein ganz schön entspanntes Leben führen kann, wenn man sich von dem blossen Gebrauch eines Wortes angegriffen, in der Ehre verletzt und beleidigt fühlt. Ich weiss, dass diverse Worte beleidigend sein können. Doch wird mich das nicht davon abhalten, sie zu benutzen (überhaupt, welches Wort war das denn? Ich glaube in diesem spezifischen Fall eine Kombination aus "Impfgegener" und "Gräfin Bathory", schon einige Monate her und in der Kausalität weder als Kraftausdruck verwendet noch so gedacht).


Ich bin froh, wenn man mir konstruktive Kritik zukommen lässt. Wenn ich darum bitte. Manchmal auch, wenn das nicht der Fall ist. Doch bin ich noch viel fröhlicher, sprich, weiss es umso mehr zu schätzen, wenn man dabei ehrlich ist und mir direkt ins Gesicht sagt (oder schreibt): Kremser, was du da von dir gibst, ist Hühnerkacke und deine Orthografie lässt michwünschen, Analphabet zu sein. Damit kann ich jederzeit umgehen. Aber bitte, bitte, lasst "die Leute" aus dem Spiel. Die können echt und wirklich nichts für irgend etwas, das ihr hier lest.

In diesem Sinne!


Herzlich,

Fabian


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