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The world is wide.

Swim it.

Ride id.

Run it.

  • Fabian Kremser

Metal

Punk Rock, Tattoos... zugegeben, der Weg zum Metal war eigentlich nicht mehr weit. Und doch bin ich nicht über diese Brücke zu dieser Musikrichtung gekommen, sondern auf einem ganz anderen - und vielleicht eher untypischen Weg.

Es gibt das schöne Sprichwort: jeder mag in Sachen Musik "alles", bis du ihnen deine Metal-Playlist vorspielst.


Ich hatte von Metal keine Ahnung, als ich in das Alter kam, in dem man in der Regel seine Adoleszente Revolutionsphase hat. Das "härteste", das es in meinem Repertoire gab, waren die Beatles, Elvis Presley und Johnny Cash. Die mag ich allesamt noch immer, keine Frage. Legenden bleiben Legenden. Dann kam Dylan, gerade etwa zu der Zeit als ich mich zu fragen begann, ob es eigentlich noch andere Dinge zu besingen gab als die Liebe, sei es jene zum Vaterland, unglückliche oder jene zu Drogen.


Dylan schlug ein. Mit Poesie und Inhalt einer Art, die mir zu denken gaben. Zwar kam das alles irgendwie an die 40 Jahre zu spät und es hätte kaum jemanden auch nur müde interessiert, wenn ich auf einmal gegen das Establishment protestiert hätte, doch sei's drum.


Über Dylan kam ich zur Irischen und Schottischen Volksmusik, was mich dann letzten Endes dazu veranlasste, selbst eine Gitarre in die Hand zu nehmen und zu lernen, auf ihr zu spielen. Das erste Lied, das ich komplett von A bis Z spielen und Singen konnte war "and the band played waltzing Mathilda" von den Dubliners. Ich kann es noch heute. Und in der Irischen Musik entdeckte ich wieder etwas, das mich sehr tief berührte: diesen Willen zum Extremen und dazu, ihn in Worte zu fassen.


In dieser Zeit kam der erste der drei Filme der "Herr Der Ringe"-Trilogie in die Kinos und mit ihm eine ganze Reihe von neuen Leuten, die teils zu guten Freunden wurden. Tolkien und Mittelerde, die ganze Fantasy-Welt, bekam einen festen Platz in meinem Leben und in meinem Herzen. Und irgendwann war es ausgerechnet meine Schwester, die mir kurz vor einem Rollentraining eine CD in die Hand drückte mit den Worten: "Da, hör' mal, das ist cool! Geht im Mittelerde!"


Es war das Album "Nightfall in Middle-earth" der deutschen Meterband "Blind Guardian".


That's that. Zuerst hatte ich das Gefühl, dass mir das Gehirn zu den Ohren hinaus laufen würde. Dann hörte ich zu. Dann war ich begeistert. Eine völlig neue Welt eröffnete sich mir, eine, in der nicht nur musikalisches Können und Kreativität zuhause waren, sondern auch Poesie und Inhalt, Texte, die mich in der Kombination mit der Musik teils regelrecht zu Tränen rührten. Glaubt ihr mir nicht? Dann nehmt euch mal etwas Zeit und hört euch einige der ganz grossen Balladen und Hymnen aus der Welt des Heavy Metal an:


- The Bard's Song, Blind Guardian

- Heart of Steel, Manowar

- Courage, ebenfalls Manowar

- Fiddler on the Green, Demons & Wizards

- Glory to the Brave, Hammerfall

- Hymn to the Brave, Freedom Call


...nicht einverstanden? Dafür sind Meinungen da, passt so. Das wäre eine Schnellbleiche meiner persönlichen Lieblinge.


Doch was da losgetreten worden war, hörte nicht auf, sich zu bewegen. Und je mehr ich mich mit diesem Musikgenre befasste, umso mehr lernte ich, dass es da noch ganz, ganz andere Dinge gab, die weder gesellschaftlich akzeptiert noch sonst irgendwie toleriert wurden, ganz einfach, weil sie auch in der heutigen Zeit noch etwas schaffen, das man einfacher Musik nicht zutrauen würde. Ich spreche von Black Metal, seiner Geschichte und allem, was damit zusammenhängt.


Man sollte meinen, dass in einer Welt, in der sich Kinder cineastischen Schund wie "Sah" und ähnlichem Ramsch ansehen, ohne dabei von ihrer Tiefkühlpizza aufzusehen, eigentlich niemand sonderlich Anstoss nehmen würde, wenn eine Musikrichtung ein wenig ausartet, doch nein. In diesem besonderen Fall ist es noch immer so, dass sich Menschen davon befremden, abschrecken, verängstigen lassen.


Warum?


Ich habe dafür keine Erklärung, nur Theorien. Eine davon ist die, dass ich denke, dass Musik in jedem Fall mit Emotionen verbunden ist und deshalb nicht so einfach zu rationalisieren ist. Eine andere ist, dass es daran liegt, dass diese Art Metal... realer ist als andere. Wer sich mit der Geschichte des Black Metal ernsthaft befasst, wird nicht nur auf Musik stossen, die man beim besten Willen als nichts anderes als Krach bezeichnen kann, der sich beim Hören so anfühlt, als würde ein Bassist auf Kokst den Hummelflug auf den Nervenbahnen spielen. Nein, man wird auch auf Gewalt, realen Mord und Kirchenbrandstiftung stossen. Und während das alleine schon abstossend genug sein könnte, geht das Ganze noch einen Schritt weiter: hier wurde sich nicht mit wahlloser und zelebrierter Gewalt aufgehalten, wie sie in der Hip Hop-Szene teils an der Tagesordnung lag. Hier geschah es selektiv, präzise und mit einer Konsequenz, die trotz aller Abscheulichkeit ihresgleichen sucht.

Oh, natürlich inspirierte das alles einen ganzen Haufen von Idioten, irgendwelche grässlichen Dinge anzustellen um die Aufmerksamkeit der Medien und vielleicht auch einfach der eigenen Eltern zu erlangen, doch kann man noch heute auf einen Blick erkennen, ob etwas angestellt wurde, um auf sich aufmerksam zu machen - und das kann mitunter echte, harte Verbrechen beinhalten - oder ob es... nun, "echt" war. Vielleicht ist das der Grund, weshalb hier eine feine, unsichtbare Linie gezogen wird. Bis hierhin, nicht weiter. Amon Amarth ja, Mayhem nein. Rhapsodie ja, Marduk nein. (Und hier lassen wir bewusst einmal den Musikgeschmack ausser Acht. Gut 98% der heute produzierten Musik ist in meinen Ohren kollektiv abgesegnete Lärmbelästigung erster Güte, darüber kann man kaum streiten).


Und wo stehe ich?


Nun... da, wo ich eben stehe. Ich mag diese Musik, habe jedoch auch hier meine klaren Grenzen. Die mögen an Orten sein, die einige überraschen könnten, doch sie sind da.


Was ich aber allen, die sich mit dieser Musik befassen möchten, empfehlen kann, ist das Buch "Lords of Chaos". NEIN, nicht den Film, den gibt es unterdessen auch, doch ist er, wie es eingangs schon gesagt wird, eine Mischung aus "Wahrheit, Lügen und dem, was wirklich passiert ist". Ich meine das BUCH. Lest es. Und wenn ihr dann immer noch okay seid, solche Musik zu hören, dann geniesst sie. Und lasst mich wissen, welches eure Lieblingsband ist. Ich lerne gerne Neues kennen.


Herzlich,

Fabian


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