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  • Fabian Kremser

Leidensdruck

Das Wort mag ich an sich nicht sehr, auch wenn es ziemlich selbsterklärend ist: leiden wir, setzt uns das unter Druck und wir beginnen, zu handeln.

Wie komme ich heute ausgerechnet darauf?


Nun, ich habe in den letzten Tagen einige Gespräche über Themen wie "Gesundheit", "Formerhalt", "Festtage" und "Gewicht" geführt. Der Tonus, der mit entgegenkam, war in etwa: "Ach, über die Festtage versündige ich mich wieder an mir selber, da werde ich Form verlieren oder sogar zunehmen, ich wüsste ja, dass man das vermeiden kann..." - und dann kam mehr als einmal: "...aber da ist dann wohl der Leidensdruck nicht gross genug."


Okay. Was ich da heraus nehme ist: wir beginnen erst, uns um unser Wohlergehen und unsere Gesundheit oder unseren persönlichen Erfolg zu kümmern, wenn wir darunter leiden, dass diese Dinge in akuter Gefahr oder bereits abhanden gekommen sind. Wird das Unbehagen zu gross, wird man aktiv.


Damit wäre meiner Meinung nach nichts verkehrt. Wenn das dazu führen würde, dass man zum Beispiel damit beginnt, sich um seine Schlafhygiene zu kümmern, wenn man chronisch übermüdet ist, dann wäre das ja durchaus etwas positives. Wenn man sich in seinem Körper nicht mehr wohl fühlt und das einen dazu veranlasst, sich regelmässig zu bewegen und auf eine Veränderung des Status Quo hin zu arbeiten, dann wäre das doch, ja, positiv. Wenn man Angst davor hat, seiner Form zu schaden und man deshalb z.B. dieses eine Glas zu viel NICHT trinkt, damit man am Folgetag locker eine Runde laufen kann... dann wäre das doch... positiv?


Die Realität sieht ein wenig anders aus. In der Realität kommt es tatsächlich viel öfter vor, dass man sich über das Wort "Schlafhygiene" lustig macht und sich darüber amüsiert, dass ich es verwende, womit das Thema sofort wieder unter den Tisch fällt. In der Realität beginnt man zwar im einen Moment damit, vielleicht sogar ein ziemlich intensives Training zu machen, da man das jedoch weder gewöhnt ist noch man sonderlich routiniert ist dabei, entscheidet man sich schon in der Folgewoche dafür, lieber doch den bequemeren Weg zu wählen. In der Realität wird man trotz besseren Wissens etwas zu viel trinken, am kommenden Tag nicht trainieren und sich dabei dann schlecht fühlen.


Was mich bei solchen Dingen wirklich trifft ist, dass man sofort und jedes einzelne Mal, wenn man diese eigentlich guten Dinge wieder verwirft, eine ganze Menge an Unterstützung dabei erfährt. Man muss komischerweise nie nach Menschen suchen, die ebenfalls chronisch übermüdet, unzufrieden mit sich selbst und nicht sonderlich beherrscht oder konsequent sind, wenn es darum geht, eine klare Linie zu verfolgen.


Das führt zu einer Wellenbewegung. Bleiben wir beim Beispiel "Schlaf": wenn man nach z.B. zwei Wochen schlechten und zu wenig Schlaf an einem Punkt ist, an dem man nicht mehr kann, wird man sich vielleicht endlich einmal die Zeit nehmen, um "auszuschlafen". Danach ist man dann einen, vielleicht zwei Tage kaputt und gibt sich noch etwas mehr Erholung, doch dann ist man irgendwann wieder so weit hergestellt, dass...


...dass man eine Lehre daraus zieht, in Zukunft konsequent um sieben Uhr Abends alle elektronischen Geräte abstellt, das Schlafzimmer gut lüftet, vielleicht noch etwas liest oder meditiert und dann gute 8 Stunden Schlaf bekommt, bevor man am nächsten Tag mit viel Energie und ausgeruht ans Tagewerk geht...


Ups. Da haben sich meine Finger selbstständig gemacht. Ich versuche es nochmals:


...dass man direkt von vorne beginnt, wieder so lange so wenig schläft, dass man beinahe umkippt, damit man das Ganze dann wiederholen kann.


So. Jetzt.


Stellt sich die Frage, weshalb man sich so verhält, vor allem sich selbst gegenüber. Ich bin da keine Ausnahme. Theoretisch weiss ich ganz genau, was mir in Sachen Gesundheitsprävention gut tun würde, schliesslich ist das ja mein Spezialgebiet, oder?


Also eigentlich müsste es ganz einfach sein. Fangen wir doch mal an.


Ich weiss zum Beispiel seit Jahren, dass ich ein Kandidat für Halsschmerzen bin, vor allem im Winter. Trockene Luft, Feuchte Luft, Zugluft, dann beim Laufen die kalte Luft im Hals, im Schwimmbad die Chlordämpfe... seit bald 21 Jahren reagiere ich gerne mal darauf, dass ich über die Wintermonate leichte Halsschmerzen habe. Wenn ich mich dann noch wegen irgendwas emotional aufrege, das ich nicht abstellen kann, mache ich mich gerne selber einmal krank. Was könnte man da tun?


Als erstes mal: Hausmittel. Frischer Ingwer, aufgekocht und mit etwas Honig zu einem Tee verarbeitet ist eine wunderbare Sache, wenn es um Prävention geht. Mit Salzwasser gurgeln ebenfalls, beides geht wunderbar in einem durchschnittlichen Tagesablauf auf, da man wirklich, wirklich keine 5 Minuten braucht, um ca. 100g Ingwer kleinzuschneidend und in einen Topf mit Wasser zu geben, den man auf den Herd stellt. Auch ein Teelöffel Speisesalz ist im Nu in einem Glas mit Wasser verrührt. Minimale Aktionen also, die am Ende eine grosse Wirkung haben.


Was noch? Ha, ja, das mit dem Schlaf. Da messe ich nun seit langem schon konsequent alles, was ich rund um meinen Schlaf messen kann und die Daten zeigen mir auch an: Junge, das ist nicht toll. Ich merke es ja auch. Aber was dagegen unternehmen?


Manchmal frage ich mich, ob das etwas menschliches ist. Dass wir uns eigentlich einfach nicht darum bemühen wollen, uns gut, gesund, fit, schön, liebenswert und was weiss ich zu fühlen. Dass es uns einfacher fällt, auf die Bestätigung von Aussen zu Warten. Und wenn die dann nicht kommt... dann haben wir wieder einen Grund, uns in der Misere bestätigt zu sehen, oder?


Dies zu dem als Food for Thought.


Herzlich,

Fabian


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