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The world is wide.

Swim it.

Ride id.

Run it.

  • Fabian Kremser

Ich gegen die Welt

Leider gelingt es nicht immer, den Strudel der Schuldgefühle und der Selbstbestrafung zu verlassen und vorwärts zu gehen. Manchmal ist er schlicht zu stark, als dass man ihm alleine oder mit einem einzelnen Kraftakt entkommen könnte. Was folgt, ist eine Reaktion, die wir alles andere als wissentlich auslösen.

Habt ihr schon einmal davon gehört, dass man die eigenen Macken immer als erstes in anderen Menschen erkennt?


Das ist vielleicht etwas gar punktiert ausgedrückt, stimmt im Wesentlichen aber durchaus. Seid einmal ganz ehrlich mit euch selbst: Was regt euch bei anderen Menschen am meisten auf?


Die Chance ist gross, dass Menschen, die sich permanent über Unpünktlichkeit aufregen, gerne selbst einmal zu spät zu einem Termin oder einer Verabredung erscheinen. Oder dass jemand, der sich enorm darüber aufregen kann, wenn es irgendwo unordentlich ist, zuhause oft selbst ein Chaos hat, das er niemandem zeigen mag. Oder jemand, der anderen erklärt, wie man sich am besten ernähren sollte, selbst die meiste Zeit Fertiggerichte isst.


Im Grunde ist daran auch nichts verkehrt - wenn es in die richtigen Bahnen lenkt. Es kommt nicht selten vor, dass ich mich dabei ertappe, wie ich mich über einen Charakterzug eines Menschen etwas aufrege und dann merke: hoppla, da hält mir jemand den Spiegel vor. Und das gefällt mir nicht.


Damit umzugehen ist nicht immer einfach. Und auch nicht immer absolut notwendig. Es gibt diverse Macken, mit denen ich absolut leben kann, auch wenn sie mich bei anderen Menschen etwas nerven. Dann nehme ich ganz einfach in Kauf, dass auch ich Eigenschaften habe, die bei anderen ein wenig anstossen.


Schwierig wird es, wenn man sich selbst auf ein Podest erhebt. Das führt dann zu Äusserungen wie: "Ich bin halt so, wer ein Problem damit hat, kann mich mal".


Es existiert ein ziemlicher Unterschied zwischen: "Ich bin ich" und "Ich sage frei heraus, was mir gerade in den Sinn kommt und wenn ich damit jemanden verletze, ist mir das egal - ich bin halt ich". Zu oft auch wird Unhöflichkeit und Grobheit mit "Ehrlichkeit" verwechselt. "Ich sage halt ehrlich was ich denke" ist nicht selten eine andere Art zu sagen, dass man sich einen Dreck um die Gefühle anderer schert.


Gut - das ist auch ein Lebensweg. Man KANN durchs Leben gehen und sich nicht darum kümmern, was und wie man in anderen auslöst. Doch diejenigen, die das über sich selbst gross proklamieren, sind meistens diejenigen, die am meisten darunter leiden, wenn sie dann das gleiche Brot zu schmecken bekommen.


Man kann diesen Mechanismus allerdings sehr gut nutzen, um sich ein Bild von sich selbst zu machen. Wohin möchte ich? Wie möchte ich sein? Wie möchte ich NICHT sein? Wie geht der Mensch, der ich sein möchte, durchs Leben? Benehme ich mich auch SO?


Wenn man bereit ist, zu lernen, kann man aus diesem Muster sehr gut ausbrechen. Man kann lernen, sich mit einigen Dingen zufrieden zu geben, was eine wertvolle Lektion ist: Perfektion hat noch niemanden ans Ziel gebracht (dazu ein anderes Mal mehr). Und man kann damit beginnen, die eigenen Verhaltensweisen anzugehen. "Vor der eigenen Tür kehren", kann man das nennen. Unordentlichkeit bei anderen regt mich auf? Okay, dann beginne ich damit, meine eigene Wohnung aufzuräumen - EGAL, wie gut die Gründe für Unordnung sein mögen! Unpünktlichkeit geht gar nicht? Dann kümmere ich mich darum, mein Zeitmanagement in den Griff zu bekommen und in Zukunft selbst pünktlich zu sein. AUCH wenn ich hundert gute Gründe hätte, mich zu verspäten...


Hier ist meine Aufgabe eigentlich eine verhältnismässig einfache. Ich helfe dabei, das Bild des idealen Selbst zu zeichnen und kann aktiv dabei helfen, einen Weg dorthin zu finden.


Herzlich,

Fabian


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