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  • Fabian Kremser

Gesundheit 2.0

Aktualisiert: Okt 20

Eugen Roth sagte einmal:


"Was bringt den Doktor um sein Brot? A) die Gesundheit, B) der Tod. Drum hält der Arzt, auf dass ER lebe, uns zwischen beiden in der Schwebe".

Gestern habe ich mich hier ein wenig über das Thema "Krankheit" ausgelassen. Nicht sehr profund, da ich dem Ganzen nicht mehr Zeit widmen wollte als gerade notwendig, aber immerhin. Heute dachte ich mir, dass das Thema "Gesundheit" doch um ein Vielfaches ansprechender wäre, bin mir aber bereits nach der Suche nach einem passenden Titelbild schon nicht mehr ganz so sicher.


Mir fiel nämlich gerade auf, dass die Stichworte "Krankheit" und "Gesundheit" zwar schnell recht prägnante, dafür aber irgendwie auch ziemlich... widersprüchliche Bilder in der Suche ergaben. "Krankheit"... da warf Google schnell mit Bildern von Ärzten, Laboren, Pipetten, Reagenzgläsern, Pillen und Hospitalbetten um sich. Also eigentlich die Dinge, von denen wir uns erhoffen, dass sie uns gesund machen, oder nicht? Das Schlagwort "Gesundheit" hingegen zeigte Dinge wie Obst, Gemüse, Tee, lachende Menschen, Sonnenaufgänge, Yoga am Meer und dergleichen. Nicht, dass uns diese Dinge krank machen, doch fand ich es irgendwie bezeichnend, dass die Suche nach der Gesundheit mir keinen einzigen Arzt, keine einzige Pille, kein einziges Labor anzeigte sondern ausschliesslich Sachen und Beschäftigungen, die irgendwie vor allem ein Thema in sich trugen: für sich selbst zu sorgen, sich Zeit zu nehmen und dem Geist eine Pause zu geben.


Was mich zu einer These bringt, die vielleicht nicht überall auf Zustimmung trifft: kein Arzt ist jemals an der wirklichen Gesundheit seiner Patientinnen und Patienten interessiert. Stattdessen geht es in der Medizin in erster Linie um eines: Symptome zu entfernen, damit der oder die Betroffene möglichst schnell wieder effizient funktioniert als kleines Zahnrad im Getriebe der Gesellschaft - und damit niemand unangenehm berührt sein muss. Es geht nicht darum, das Leben zu bereichern, sondern darum, es so lange als möglich zu erhalten. Denn auch wenn man Senioren im Heim bereits als Konsumentinnen und Konsumenten abgeschrieben hat, so sind die Mieten, die sie für ihre betreuten Zimmer bezahlen, eine fantastische Möglichkeit, die sinnbildliche Kuh wortwörtlich bis zum Abnippeln zu melken.


Ui... das klingt nun harsch, das ist mir bewusst. Ich will hier auch gar nicht in irgendwelche Hörner stossen und zum Buhruf aufrufen. Auch habe ich kein Problem mit der Schulmedizin an sich, sie hat mir schon oft geholfen. Doch ich bin der festen Überzeugung, dass "Gesundheit" und "Medizin" heute nicht mehr viel miteinander gemein haben.


Was wir stattdessen mit der Zeit zur Gewohnheit werden liessen ist, dass wir keine Verantwortung mehr für unsere Gesundheit selbst übernehmen.


Für mich ist es ein Teil meines Berufs, die Gesundheit auf allen Ebenen zu schützen und zu fördern. Und rein objektiv betrachtet sollte es der Teil sein, in dem ich am einfachsten und am meisten bewirken kann, denn wer ist schon nicht gerne gesund?


Ist es jedoch nicht, denn was ich unterdessen ahne ist, dass "Gesundheit" bei vielen verstanden wird als "derzeit nicht krank" oder "im Augenblick ohne Medikamente unterwegs".


Nein, das will ich nicht. Ich will nicht, dass ich es als Erfolg feiern muss, einmal KEINE Chemie in meinen Körper zu pfeifen. Ich will, dass ich mich gut, leistungsfähig, fit fühle. Durch mein Verhalten, meine Gedanken, meinen Alltag, meine Ernährung, mein soziales Umfeld. DAS ist für mich Gesundheit.


Und ja. Oft stimmen mir auch Leute genau hierbei zu, die sich von mir beraten und betreuen lassen. Doch "zustimmen" und "verinnerlichen und sich entsprechend verhalten" sind leider zwei paar Schuhe...


Sprechen wir über Ernährung, denn das ist in den meisten Fällen der grösste Faktor. Meine liebsten Sätze sind hier unterdessen:


"Ja, ich ernähre mich top gesund, ich esse vegetarisch!".


"Da gibt es wenig Potential, ich esse sehr ausgewogen".


"Salat? Nein, so etwas gesundes kommt mir nicht auf den Teller. Haha."


Es gibt Variationen davon, doch der Kern bleibt der Gleiche. Vegetarisch (oder vegan) ist also das Gleiche wie "gesund"? Ich unterschreibe jederzeit gerne, dass unsere Gesellschaft ein echt seltsames Verhältnis zum Fleischkonsum hat und finde es fraglich, ob man noch von Esskultur sprechen kann, wenn man sich im Baumarkt einen Gasgrill für mehrere Tausend Franken kauft, dort dann aber Billigwürstchen für € 1.50 pro Zehnerpack von Aldi drauflegt, die man beim letzten Einkaufsausflug im Sonderangebot gekauft hat, doch das ist ein anderes Thema. Kokosfett ist zum Beispiel vegetarisch und alles andere als gesund. Bei Burger King gibt es vegetarische Optionen, ebenso in unterdessen jedem grösseren Fastfood-Lokal. Nur, weil man kein Fleisch isst, ist man nicht augenblicklich gesund.

Das mit dem "ausgewogen" essen ist so eine weitere Sache. Was heisst das denn überhaupt? Ich werte diese Redewendung unterdessen als das, wozu sie sich in den meisten Fällen am Ende entpuppt: Eine vorgeschobene Barriere, die zum einen verhindern soll, dass man verletzbar wird und die es einem zum anderen ermöglicht, sich dahinter zu verstecken. "Mein Arzt hat gesagt, wenn ich mich ausgewogen ernähre, muss ich mir keine Sorgen machen". Aha. Also hat der Arzt gesagt: "Essen sie soundso viel Gemüse pro Tag, dazu dies oder das Obst, trinken sie JENEN Saft und kochen sie mit SO viel Salz?" Nein, hat er nicht, da gehe ich jede Wette ein. Die Unterhaltung verlief vermutlich so: "Herr Doktor, sollte ich auf meine Ernährung achten?" - "Nun, sie sollten einfach ausgewogen essen." - "Also, das tue ich!" - "Dann ist alles in Ordnung, dann müssen sie sich keine Sorgen machen".

Und dass "so etwas gesundes wie Salat" einem nicht in die Tüte kommt... okay, manchmal mag man etwas nicht, doch warum ist es in unserer Gesellschaft nicht nur akzeptiert und anerkannt, sondern Gang und Gäbe, dass man sich gegenseitig darin übertrumpft, wie ungesund man lebt? Was soll das?


Es ginge noch weiter, das Thema ist riesig und wird sich wohl nie erschöpfen. Ich kann nur meinen Teil dazu beitragen und am Ende hoffen, dass ich Menschen dazu inspirieren und vielleicht sogar anleiten kann, ihre Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen, sich zu informieren und nicht einfach blind darauf zu vertrauen, dass ein Götze im weissen Kittel mit der magischen Pille alle Probleme löst.


Gesundheit ist zwar ein Recht, jedoch nichts, was einem von aussen zusteht. Man muss etwas dafür tun.


Herzlich,

Fabian


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