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The world is wide.

Swim it.

Ride id.

Run it.

  • Fabian Kremser

Face the music

Morgen soll es losgehen mit meiner Testwoche und ich glaube, ich habe meinen Gedanken dazu bereits reichlich Luft gemacht. Zeit also, wieder ein wenig müssig zu gehen. Natürlich immer absolut kausal.

Der Titel beschreibt etwas, das mir in den letzten Tagen im Kopf herumgeisterte. Der Begriff aus dem Englischen bedeutet sinngemäss etwa so viel wie "sich einer (unangenehmen) Tatsache stellen". Oder vielleicht noch eher: sich der Realität stellen, so unangenehm sie auch sein mag.


Aber warum "sich der Musik stellen"?


Nun, wenn ich ehrlich bin fallen mir da schon ein paar Dinge ein, die sich zwar "Musik" schimpfen, gleichzeitig aber doch eher unangenehme Tatsachen verkörpern. Etwa 99% der heute produzierten Popmusik, zum Beispiel. Oder Blaskapellen. Oder, meiner Meinung nach das Epitom der atonalen Umweltverschmutzung: Guggenmusik…


Was eine "Guggenmusik" ist? Nun, in irgendeiner Form gibt es sowas wohl überall, doch diese besondere Bezeichnung ist äusserst helvetisch und bezieht sich auf vornehmlich Blech-Blasmusik, die vorzugsweise zur Fastnachts- oder Faschingszeit gespielt wird.


In ganzen Umzügen wird da bunt und schrill kostümiert wortwörtlich mit Pauken und Trompeten durch die Gassen marschiert. Die Trommeln und mobilen Schlagzeuge geben das vor, was man als "Takt" ansehen könnte, wäre es nicht so sehr jenseits von allem, was mit Rhythmusgefühl zu tun hat, dass es sich schon bald wieder von der entgegengesetzten Richtung dem Konzept annähert. Die Blasmusik schmettert dazu das, was eine Melodie sein sollte, wobei offenbar die Prämisse gilt: je lauter, desto besser, Stimmung optional (und eher ungern gesehen). Was mich am meisten überrascht bei dieser Darstellung von musikalischer Ignoranz: das Ganze hat ein Erscheinungsbild, dass sich ein P.T. Barnum in Unkosten gestürzt hätte, um so etwas in seinem Kuriositätenkabinett zu führen. Und doch behaupten die Beteiligten stante pede, für diesen Krawall regelmässig zu proben und einen wertvollen Beitrag zur lokalen Kultur zu leisten.


Werde ich gezwungen, mich so etwas zu stellen, dann… ja, dann trifft das diese Redewendung auf den Kopf. Wie überall und bei allem ist es auch hier so, dass es tatsächlich Individuen gibt, die so eine Brachialvergewaltigung der Trommelfelle gerne mögen und das sogar als "gute Musik" bezeichnen, doch ist es nicht an mir, das zu verurteilen: den gleichen Menschen tropft gerne mal derjenige Rest des Gehirns, der nicht durch den fragwürdigen Genuss von Guggenmusik vernichtet wurde, in Form von Schmelzkäse aus den Ohren, wenn man sie mit etwa 30 Sekunden Heavy Metal konfrontiert. Es ist also ein Geben und ein Nehmen.


Der Ursprung der Redewendung ist mir jedoch eher unbekannt. Ich kann mich nur auf die Definition der verstorbenen Genies und Autoren (er war tatsächlich beides, ebenso Philosoph, Poet, Sarkastiker und Empath) Terry Pratchett berufen, der in einem seiner letzten Romane exakt dieses Thema aufgriff.


Dort geht es in einem eher ländlichen Gebiet der Scheibenwelt darum, dass sich die Bewohner eines oder mehrerer Dörfer zusammentun, um mit Mistgabeln und dergleichen bewaffnet Jagd auf das zu machen, was sie für Hexen halten. Dass das mit einer Menge Lärm einher geht, erklärt sich von selbst und Pratchett nennt es entsprechend "the rough music", die "harte Musik". Wer sie hört, tut besser daran, zu verschwinden, und gegen wen sie sich richtet, der hat das eine oder andere Problem.


Was bleibt ist, dass es eine Herausforderung ist und viel Mut braucht, sich der rauen Musik zu stellen, in jedem Kontext. Für mich hiess die Musik diese Woche, dass ich ein Stelldichein mit meiner eigenen Realität haben werde in den nächsten Tagen, ob es mir passt oder nicht.


Morgen ist Montag. Time to face the music…


Herzlich,

Fabian


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