• Fabian Kremser

Ein Ziel, ein Plan und ein Logo

Von Entscheidungen, zu stellenden Weichen und vielen, vielen Unsicherheiten. Und Emotionen gibt's auch ein paar.

Wusstet ihr eigentlich, dass es wissenschaftlich belegt ist dass Menschen, die oft und viel Worte gebrauchen, meist nur wenig zu sagen haben? Wusstet ihr auch, dass ich mir das gerade frei ausgedacht habe?

Doch es mag schon etwas dran sein. Es fällt mir in der Regel nicht schwer, auch stundenlang zu irgend einem Thema, das mich begeistert, haltlos zu salbadern bis der Arzt kommt. Geht es jedoch um etwas, das mir wirklich, wirklich wichtig ist, habe ich teils meine liebe Mühe.


Was war das für ein Moment an diesem frühen Abend Ende Juli 2018, als ich nach etwa 10:45 Stunden über die Ziellinie des Ironman Switzerland in Zürich lief. Meine Freundin Tanja schoss dieses gelungene Bild davon. Erleichterung, Freude, Stolz, das Bedürfnis, mich hinzulegen und alle Viere von mir zu strecken... was da in mir vorging lässt sich nicht beschreiben ohne entweder pathetisch oder umfangreich zu werden. Oder beides. Doch eins nach dem Anderen.


Im Herbst 2017 beendete ich sehr, sehr schweren Herzens mein Engagement bei der Band "Koenix". Dort hatte ich drei Jahre lang mit viel Freude, nun, DAS gemacht:

Die Jungs sind natürlich immer noch aktiv. Hört sie euch einmal an!

Es war eine Vernunftssache, dass ich mich entschied, mich mehr auf meine Arbeit, meine tatsächliche Arbeit als Coach und Trainer, zu konzentrieren. Ich wollte wieder mehr Zeit mit meinen Athletinnen und Athleten verbringen können, mehr am Beckenrand, mehr am Streckenrand stehen. Und ich wollte wissen, ob ich den Sport selber noch ausüben mochte. Also gab es für mich nur eines: Ironman. Und zwar den in Zürich, denn dort hatte tatsächlich ja alles angefangen. Also begann ich, dafür zu trainieren...

Wenn ihr jetzt damit rechnet, dass ich euch in allen Details erzähle, wie ich schwamm, Rad fuhr und lief in den folgenden Monaten, so muss ich euch enttäuschen. Erstens weil ich denke, dass das kaum einen interessiert. Zweitens weil ich der Ansicht bin, dass ich das, was ich nun vermehrt tat, mit diesen drei Worten bereits adäquat beschrieben habe. Und drittens, weil das nicht wirklich zutraf.

War ich auch motiviert wie Bolle, mich wieder in das Renngeschehen einzuklinken, stand ich doch zwei ernsthaften Problemen gegenüber. Das eine war eine ausgewachsene Depression, die mich befallen hatte. Ich werde das jetzt nicht breittreten denn zu diesem Thema kann man entweder Abende füllen oder es eben einfach mal dabei belassen. Es ging mir emotional teilweise sehr dreckig, in verschiedenen Schattierungen. Das muss erst mal reichen.

Das zweite erwies sich als nicht minder ernst. Ich war quasi Schrödingers Triathlet geworden. (Wenn ihr das Gedankenexperiment von Schrödingers Katze nicht kennt, macht das nichts. Wenn ihr stattdessen alle Kardashians aufzählen könnt, macht euch das auch noch nicht zu schlechten Menschen, doch vielleicht solltet ihr mal euren Konsum von digitalen Medien überdenken). Solange ich nicht trainierte, war alles offen. Ich war sowohl in der Lage, diesen Ironman zu finishen als auch dazu, kläglich zu scheitern. WENN ich jedoch trainierte, nun ja. Dann wurde sowohl das eine als auch das andere, je nach Tageszustand und -Form, mal wahrscheinlicher und mal nicht. Also tat ich das, was ich auch meinen eigenen Athletinnen und Athleten in solchen Fällen immer wieder rate: Ich hörte auf mich selbst und tat, was ich konnte und was sich mehr oder weniger gut anfühlte.

Am Ende war es ein Finish in Zürich und das gute Wissen: JA. Ich mochte den Sport noch. Ich liebte den Sport noch. Doch irgendwie wollte sich die erhoffte Aufbruchstimmung nicht einstellen...

Knapp einen halben Monat später geschah dann etwas, von dem ich zwar nicht wirklich überrascht worden war, das mich aber dennoch derart in den Grundfesten erschütterte, dass ich eine Weile brauchte um mir der tatsächlichen Magnitude bewusst zu werden. Und zwar verabschiedete sich am 17. und 18. August die Band Runrig in Stirling, Schottland, nach 45 Jahren der Bühnenpräsenz. Klar, nach so einer langen Zeit skandalfreier Rockmusik war das ein verdienter Ruhestand, doch ich selbst kam gar nicht gut damit klar. Denn: Diese Band hatte in den ganzen letzten Jahren mehr oder weniger den Soundtrack meines Daseins geschrieben. Sie trat just in dem Moment in mein Leben, in dem ich begann, mich auf meinen allerersten Ironman vorzubereiten. Ich hörte sie bei Rollentrainings. Ich hörte sie vor dem Start. Ich hörte sie vor jedem einzelnen Rennen, an dem ich in den folgenden Jahren startete. Es war ihr Song "Maymorning", der mir klar machte, dass das Ende meiner ersten, psychisch zerstörerischen Beziehung ein absoluter Glücksfall gewesen war. Gonna wipe the slate clean, follow my dreams... Es war "Clash of the Ash", der mir wieder ins Gedächtnis rief, dass es beim Sport um mehr ging als um einen Sieg. Und es war "The Story", der mich 2016 in einer Weise zerlegte, dass ich nur ein Jahr später meine eigene musikalische Tätigkeit vorerst beendete und mich wieder auf das konzentrierte, was mich in den letzten Jahren stets bewegt und nie alleine gelassen hatte. Und nun sollte das vorbei sein?

Die Kurzversion ist, dass es nicht vorbei IST. Zumindest nicht für mich. Die Musik gibt es ja noch immer und nachdem ich mich im August 2019, nach einem weiteren Ironman in Zürich und vielen, vielen Gedanken zu meinem eigenen Weg in diesem Sport, in Essen, Deutschland, in einem Kino davon überzeugen konnte, dass auch die Musiker noch am Leben sind und somit nicht alles verloren, konnte ich auch endlich wieder nach vorne sehen. Was mich dann im Laufe des Herbstes zu jener Entscheidung führte, die quasi Schuld an dieser neuen Website, diesem Blog und überhaupt meinem derzeitigen Alltag hat: ich BIN noch nicht fertig. Nicht mit dem Triathlon, nicht mit dem Leistungssport - nicht mit dem Profisport. Dieses Kapitel wurde nie richtig abgeschlossen, also wird es Zeit, das nun zu tun. Es wird eine Weile dauern, doch steht für mich fest: Ich will - ich WERDE - nochmals als Profi an einem Ironman starten.

Mit Runrig. Irgendwie. Da kam mir zu Hilfe, dass sich derzeit irgendwie jeder zweite Profi ein Logo zutut, das ihn oder sie repräsentieren soll. Kann ich auch, dachte ich mir. Hier ist es:



Ja, der Sinnspruch ist schamlos geklaut. Von mehreren Quellen, wenn schon, denn schon. Ganz vorne steht jedoch der Song "Proterra" von Runrig und dessen Refrain. Over land and sea, I'll come fighting for you. Over land and sea, a dawn is breaking before us. Es ist ein Neuanfang für mich und soll mir auch gleichzeitig stets präsent halten, dass es beim Sport eben nicht nur um den Sieg geht.

Nun denn. 2019 ist nicht mehr lange und ich freue mich aus mehreren Gründen auf 2020.

Das mit den guten Vorsätzen zu dieser Website lasse ich allerdings gleich, das ging bisher nie auf. Doch ihr könnt hier, so es euch denn interessiert, Bilder und Gedanken von mir rund um den Sport bekommen und mich so auf meinem Weg begleiten. Auch darauf freue ich mich.

Herzlich,

Fabian

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