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The world is wide.

Swim it.

Ride id.

Run it.

  • Fabian Kremser

Du bist, was du...

Klar, kennen wir, oder? Du bist, was du isst. Natürlich verbirgt sich dahinter mehr als die wortwörtliche Behauptung, dass man, nun, eben ist, was man zu sich nimmt.

Wäre dem so, dann dürfte ich mich mit gutem Gewissen als relativ vielfältig bezeichnen. Dann wäre ich zum einen mal sehr viel verschiedenes Grünzeug, ab und an mal ein Huhn, Schwein oder eine Kuh, seltener exotische Meeresfrüchte und hin und wieder eine Avocado. Das wäre jetzt keine Tragik, ich wurde schon als weit Schlimmeres bezeichnet denn als Südobst, doch darum geht es mir hier nicht. Diese Überlegungen passieren gerade, weil ich den schönen Satz "Du bist, was du DENKST" irgendwo gelesen habe und mir das nun durch den Kopf gehen liess.


Diese Aussage habe ich natürlich schon einige Male gehört, gelesen, gesehen, nicht selten im Zusammenhang mit irgendwelchem Persönlichkeitscoaching oder sonstigen Formen der persönlichen Weiterentwicklung. Nicht falsch verstehen: bin ich absolut dafür. Gleichzeitig vertrete ich hier auch die Ansicht, dass das alles schnell mal Schaden anrichten kann und noch öfter schlicht falsch verstanden wird.


Schaden anrichten? Was soll denn destruktiv sein an Persönlichkeitsentwicklung?


Per se nichts, stimmt. Doch wenn man schon ein- oder mehrmal erleben musste, wie Menschen am Boden zerstört lagen, weil sie der Ansicht waren, in ihrem Leben nichts erreicht zu haben, nichts zu können und vor allem in den Augen derer, denen sie sich mit diesen Dingen anvertrauten, total versagt zu haben, dann kann das schon mal die Perspektive verändern. (Es hilft zudem, wenn man selbst schon in exakt dieser Situation war). Wie kann es dazu kommen?


Wir kommen oft auf dieses Thema, wenn wir in unserem Leben nicht mehr glücklich sind. Das ist doppelt schade, denn es heisst auch, dass wir den Mut zur Veränderung immer erst aus der Verzweiflung ziehen. Das müsste doch nicht sein? Gibt es eigentlich so etwas wie "Persönlichkeitsprävention"? Falls nicht, dann beanspruche ich das jetzt für mich, nenne mich Erfinder und lasse mich teuer dafür bezahlen, dass ich Menschen dabei helfe, eben gar nicht erst so unglücklich zu werden.


Das meine ich nur halb im Scherz. Tatsächlich ist das bereits ein Teil meiner Arbeit, wenn es auch noch nicht so bezeichnet wurde. Na, wer weiss. Ich schweife ab.


Wenn wi zu suchen beginnen, passiert es schnell, dass wir an irgendwas oder irgendwen geraten, der oder das vor allem durch heftigstes Polarisieren in die Position gekommen ist, anderen Hilfe anzubieten. Werbung ist etwas, das nun mal passiert, doch wenn man in Annoncen auf den Sozialen Medien bereits seine besten Zitate von sich gibt, kann nicht mehr viel kommen, oder?

Leider passiert das relativ oft. So wohl auch mit diesem Spruch. Du bist, was du denkst. Stimmt. Wenn du in dem Moment denkst, dass du ein versagender Nichtsnutz bist, dann ist das auch so...


Da sehe ich das Problem. Mir hat beispielsweise niemals jemand beigebracht, meine Gedanken zu steuern und diese Idee, die sich in mehreren Lagen an meine Hirnrinde tapeziert hatte, dass ich weder etwas kann noch es verdient habe, mich anders oder sogar gut zu fühlen, wurde immer permanenter. Da half kein "motivierender Spruch", keine Weisheit vom Küchentuch, kein Buch zur Selbsthilfe. Was bleibt, ist die gleiche Arbeit, die einen Innenarchitekten erwarten würde, der erst einmal die Tünche von gefühlten dreissig Renovationen sorgsam entfernen muss, bevor er die ursprüngliche Wand dahinter sehen und allenfalls neu planen kann...


Das ist mal das eine. Und das andere? Das mit dem "falsch verstehen"?


"Jetzt habe ich mein Denken umgestellt, bin extra früh aufgestanden, habe Sport getrieben, gesund gefrühstückt, bin dann zur Arbeit, habe über Mittag Salat gegessen und zwanzig Minuten meditiert, bin nach der Arbeit noch spazieren gegangen, habe gesund zu Abend gegessen und dann noch eine Stunde gelesen. Drei Tage lang! Und ich fühle mich kein bisschen besser, im Gegenteil!"


Klingt übertrieben? Ihr würdet staunen, wie oft ich mehr oder weniger exakt diesen Satz schon gehört habe. Und der Ursprung war viel öfter als nicht irgend so ein Rat auf der Basis: "Du musst nur dein Denken ändern, dann ändert sich das Leben".


Der Punkt, der hier falsch verstanden wird, ist Folgender: Unsere Denkweise ist nicht etwas, das wir über Nacht erhalten haben. Im Gegenteil: zu jedem Zeitpunkt in unserem Leben ist sie das Resultat unseres bisherigen Weges. Und wer hat da schon permanent die Kontrolle?

Kurz: Wenn man wieder und wieder zu denken bekommt, dass man nichts kann, nichts wird, nichts erreicht, nichts taugt (und so weiter), dann denkt man das irgendwann von selbst - und es wird immer realer. Nun kann man sich durchaus dazu zwingen, ganz "einfach" anders zu denken, indem man jemanden imitiert, der man überhaupt nicht ist. Doch stellt euch einmal vor, wie ihr euch fühlen würdet, wenn ihr von jetzt auf gleich so tun müsstet, als wärt ihr ein komplett anderer Mensch! Ich sag's mal so: Es gibt wohl einen Grund, weshalb die meisten Theaterstücke so bis zu drei Stunden dauern und nicht viel länger. Und da gibt's noch Pausen...


Die gute Nachricht ist: man KANN durchaus lernen, anders zu denken. Und am Ende ist es auch gar nicht so schwer, es gibt nur ein paar Dinge, die man berücksichtigen sollte:


- Es ist okay, Hilfe zu holen. Sei das von einem Coach, einem Therapeuten, einem Freund - es ist absolut okay.

- Ohne Verbindlichkeit keine Veränderung. Wenn das "ach, morgen reicht auch noch" immer ohne Konsequenzen bleibt, gibt es keinen Grund, aktiv zu werden.

- David schlägt Goliath. Je kleiner die ersten Veränderungen sein sollen, desto einfacher sind sie zu realisieren und desto schneller hat man ein Erfolgserlebnis.

- Du kannst entweder Erfolg haben - oder Ausreden.


Mein Tip für einen kleinen Anfang? Ganz einfach: Kauft euch einen ganz normalen Wecker.

Noch einen Schritt weiter? Lasst das Handy aus dem Schlafzimmer.

Noch eins oben drauf: Stellt den Wecker EINMAL.


Und die Kiesel werden sich in Bewegung setzen...


Herzlich,

Fabian


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