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  • Fabian Kremser

Drei Fragen

Gestern habe ich die "drei goldenen Fragen des coachings" erwähnt. Was hat es damit auf sich?

  1. Was willst du?

  2. Was kannst du tun?

  3. Wozu bist du bereit?

Diese drei Fragen kommen in meiner Arbeit mit Athletinnen und Athleten, aber auch nicht sportbezogenen Coachings immer wieder auf den Tisch. Ich stelle sie mir selbst, täglich und privat, konfrontiere aber auch meine Kundinnen und Kunden immer wieder mit ihnen. Sie haben sich als wertvolles Mittel zum Zweck erwiesen. Warum?


Was wir als Gesellschaft irgendwie mehr und mehr zu verlernen scheinen ist die Fähigkeit, uns selbst zu hinterfragen. Wir haben Wünsche, stellen diese in den Raum und gehen dann mit der Erwartung durchs Leben, dass das Universum uns diese gefälligst und bitteschön erfüllt. Manche nennen diese Wünsche "Ziele", weil "ich habe ein Ziel im Leben" irgendwie besser klingt als "ich hätte gerne ein fettes Bankkonto und bin eigentlich ziemlich sauer darüber, dass man mir nicht einfach Geld gibt". Solange man ein Ziel hat, kann man zumindest so tun, als würde man auf etwas hin arbeiten.

Doch bevor ich hier in den Zynismus abdrifte: ich werfe das niemandem vor. Viele von uns sind schlicht in einem Umfeld aufgewachsen, in dem stets alles und immer erreichbar war, was dazu führte, dass das Selbstbild der jeweils Betroffenen oft schon ein wenig verzerrt ist, wenn sie beginnen, sich tatsächlich Ziele zu setzen. An dieser Stelle komme oft ich ins Spiel - und damit auch die drei Fragen.


Nehmen wir einmal an, jemand - Geschlecht und Alter sind in dem Fall einerlei - kommt auf mich zu mit dem Ziel, ein besseres, gesünderes Leben zu führen. Ein schönes Ziel! Und auch eines, für das es sich zu arbeiten lohnt. Doch schon zu Beginn stehen hier Hürden im Weg.


Zunächst ist da einmal der kleine Fakt, dass dieser Jemand, diese Person, mir vermutlich in den ersten zwei bis drei Sitzungen erzählen wird, was sie alles über das Thema Gesundheit weiss, wie gut es ihr eigentlich geht und wie toll sie sich ernährt. Nach und nach wird dann zum Vorschein kommen, dass eben doch nicht alles Gold ist, was glänzt. Dass zuhause in drei von vier Zimmern ein Fernseher steht, der bis spät in die Nacht läuft. Dass das Abendessen oft aus Fertiggerichten aus der Mikrowelle besteht, das im Bett, vor dem Fernseher und parallel dazu mit dem Telefon in der eingenommen wird. Dass das einzige Grünzeug der Salat im Big Mac oder Döner Kebab ist, den man sich über Mittag kurz im Gehen von der Theke zurück an den Arbeitsplatz einverleibt (ich weigere mich, in diesem Zusammenhang von "essen" zu sprechen). Dass das Frühstück aus gezuckertem Kaffee und Weissbrot mit Nutella besteht, das man zusammen mit den neusten Youtube-Videos konsumiert hat. Dass der Sport, den man regelmässig betreibt, eigentlich aus einem vorhandenen, aber nie genutzten Fitness-Abonnement besteht. Und so weiter...


Wo setzt man da an?


Ich frage also: Was willst du?


Und diese Frage stelle ich wieder und wieder. So lange, bis nicht mehr einfach "gesünder leben" als Antwort kommt, sondern ein klares Bild vor mir liegt, das ich mir genau ansehen kann. Denn dieses Bild besteht. Es besteht immer! Oft sind wir nur zu sehr in unseren eigenen Wegen verfahren oder eingeschüchtert, als dass wir es uns selbst oder anderen gegenüber zugeben würden. Und dann heisst es vielleicht auf einmal:


"Ich will gerne regelmässiger und besser essen, mir mehr Zeit für das Kochen und die Mahlzeiten nehmen, auch neue Dinge ausprobieren. Ich möchte mich gerne regelmässig bewegen, Abends früher ins Bett gehen und schneller einschlafen können. Ich will nicht mehr jeden Morgen so zerstört aufwachen, dass ich erst einen halben Liter parken Kaffee und Zucker brauche, um wach zu werden. Ich möchte mehr Zeit für mich haben."


Nun könnte ich natürlich die radikale Keule schwingen uns sagen: "Okay, kein Problem. Schmeiss' alle deine Fernseher aus der Wohnung, räum' deinen Kühlschrank leer. Steck' das Handy in deinem Büro ein - und nur dort. Koche dir am Abend dein Mittagessen für den nächsten Tag. Geh' um neun oder zehn ins Bett, meditiere vorher 15 Minuten, steh morgens auf und mach' dir ein Porridge mit Früchten. Nimm' über Mittag das mitgebrachte Essen und nutze die dadurch gewonnene Zeit für einen kurzen Spaziergang. Nach der Arbeit gehst du ins Fitnessstudio und setzt dich 30min auf das Indoor-Rad. Anschliessend gehst du nach Hause, kochst dir ein gutes Abendessen und dabei auch gleich für den nächsten Mittag etwas mit. Iss' in der Küche oder im Wohnzimmer, nicht vor dem Fernseher, auch nicht mit dem Telefon in der Hand. Dann kannst du ein wenig Fernsehen, achte jedoch darauf, die Glotze mindestens 90min vor dem Zubettgehen abzuschalten. Meditiere wieder 15min, dann geh' ins Bett, lies' vielleicht ein wenig und schlafe dann ein. Voilà, du hast ein gesünderes Leben."


Was glaubt ihr, wie die Reaktionen auf so etwas wären? Da gibt es eigentlich nur "entweder / oder". Jedoch werden beide nicht zu den gewünschten Veränderungen führen. Denn: mal abgesehen von einem harten, emotionalen Trauma gibt es kau etwas, das es uns möglich macht, unser gesamtes Verhalten, ja, uns selbst über Nacht komplett zu ändern. Man wird also scheitern, und zwar kläglich, und spätestens nach drei Tagen im alten Muster zurück sein. Diesmal allerdings um die Erfahrung reicher, dass es "eh nichts bringt" und dass Gesundheitscoaching nichts wert ist. Womit sie in diesem Szenario absolut recht hätten.


Stattdessen frage ich: Was kannst du tun?


Wenn man sich das noch nie überlegt hat, ist man oft der Ansicht, gerade auf Gebieten, die einem noch nicht sonderlich viel sagen, eher wenig zu "können". Gewinnt man jedoch eine leichte Perspektive... vielleicht kann man gut organisieren, planen und diese Pläne dann umsetzen. Vielleicht kann man gut kochen oder ist sehr lernfähig. Vielleicht sind einige Dinge aber auch schlicht nicht machbar, weshalb man sich gar nicht erst an ihnen versuchen sollte. Beginnt die Arbeit beispielsweise um 8 Uhr ist es irgendwann einmal recht viel verlangt, davor noch ein riesiges Programm zu erledigen...

Nach und nach werden wir uns so ein gewisses Skillset zusammensetzen, mit dem wir dann arbeiten können. Und das führt uns zu der letzten und entscheidenden Frage:


Wozu bist du bereit?


Wie oft wir hier schon gescheitert sind, weiss ich nicht mehr. Wir hatten unzählige Male bereits Ziele und die notwendigen Tools in der Hand, doch als es dann darum ging, vielleicht den täglichen Verzehr von drei Tafeln Schokolade nur ein wenig zu reduzieren, hiess es: NEIN, und das Fallgatter raste herunter. Wir hatten Wünsche und bereits vor, einmal das Thema der Nahrungsergänzung ins Auge zu fassen. In dem Moment, in dem es hiess, dass man solche Produkte z.B. mit der Kreditkarte bezahlen könne, flog die Tür ins Schloss: NEIN, machen wir nicht. Und so weiter...


Warum ist diese Frage so wichtig? Und warum stelle ich sie zuletzt?


Oft wissen wir nicht, was wir sagen wenn wir behaupten: "Ich würde alles dafür (XYZ) tun!" Das ist ein grosses Wort, "Alles", und oft heisst es: "Alles, ausser das, was mich wirklich dazu zwingt, etwas zu TUN". Die Wunderpille für ein besseres Leben schlucken wollen alle, doch wenn sie diese erst kaufen müssen, schwindet die Bereitschaft sehr schnell. Also ist es wichtig, sich einmal ein Bild davon zu machen, was man wirklich will. Anschliessend kann man einen Preis definieren. Je schneller man an sein Ziel möchte, desto grösser wird er werden. Und darum ist es am Ende wichtig zu wissen, wozu man bereit ist. Solange man nicht weiss, dass das Traumhaus 5 Millionen kostet, ist es leicht zu sagen: "ich nehme es". Hat man allerdings den Preis vor Augen und kann sich ausmahlen, was das an persönlichem Einsatz kostet, kann man es nochmals überdenken. Wie wichtig ist es mir wirklich?


Fragt euch diese Sachen hin und wieder. Es hilft enorm!


Herzlich,

Fabian


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