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  • Fabian Kremser

Daten

Was man nicht misst, kann man nicht verbessern, so lautet ein Sprichwort. Das unterschreibe ich jederzeit gerne, hatte jedoch auch schon angeregte Diskussionen zu dem Thema.

Es läuft immer wieder auf das Gleiche heraus: begegnen wir irgendwo einer Behauptung, die nicht unserer eigenen Weltansicht entspricht, sind unsere direkten Reaktionen Ablehnung, Widerspruch und dann Argumentation.


Was man nicht misst, kann man nicht verbessern!


Das sehe ICH anders, denn...


Stop.


Ganz egal, wie das Gespräch von hier an weitergeht: was liegt dem Widerspruch in dem Augenblick denn anderes zugrunde als eine Art Messung? Wir begegnen einer Sache, die in unseren Augen nicht richtig ist. Was zu diesem Schluss führt, ist ebenfalls eine Art der Messung und die Daten, die wir dabei erhalten, sind vielleicht nicht unbedingt in schönen Diagrammen darstellbar, doch auf jeden Fall zu einem gewissen Grad valide.


Wenn wir von Daten sprechen, kommen uns schnell Bilder wie, nun, das Titelbild hier in den Sinn. Wir verbinden den Begriff "Daten" gerne sofort mit Zahlen, die über einen Bildschirm laufen. Und ja, zu einem grossen Teil läuft es auf das heraus, denn dort stellen wir sie mit Vorliebe dar und sehen sie uns wieder an.


Im Sport und dort insbesondere in meiner Arbeit als Athlet, Coach und Diagnostiker sind Messungen und Daten ein zentraler Punkt, an dem viele Stränge zusammenlaufen. Tatsächlich kann ich gar nicht genug darauf pochen, wie essentiell gute Daten den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen können. Nur gibt es hier kein wirkliches Patentrezept, keine allgemein gültige und anwendbare Definition davon, was "gut" ist. Noch nicht einmal davon, was "notwendig" ist...


Am Ende läuft es wieder einmal auf die drei goldenen Fragen hinaus: Was willst du? Was kannst du? Wozu bist du bereit? Das trifft auch hier zu. Rund um den Sport gibt es eine Vielzahl von Daten, die wir messen, erfassen und auswerten können. Es gibt praktisch nichts, das wir nicht irgendwie auf die eine oder andere Art nutzen können, doch gibt es in diesem Fall - und vielleicht ausnahmsweise - einen gemeinsamen Nenner: um wirklich etwas auszusagen, muss die Qualität der Daten stimmen - und auch die Menge.


Was sind qualitativ hochwertige Daten?


Kurz gesagt: solche, auf die man sich verlassen kann. Das kann man, zugegeben, in jedem einzelnen Fall nie zu 100%, doch ist es rund um Sport und Bewegung unterdessen rein technologisch möglich, die Fehlerquote auf einige, wenige Prozente zu minimieren. Dazu bedarf es jedoch einmal mehr ein gewisses Commitment, was praktisch in jedem Fall der Beginn des Scheiterns ist. Immer wieder erlebe ich es, dass sich Athletinnen und Athleten blind auf ihre Sportuhren und sonstigen Messgeräte verlassen, wobei sich mir noch immer nicht erschliesst was einen Menschen veranlasst, sich z.B. eine Pulsuhr für knapp 1000.- Franken zu kaufen - und dann nicht einmal 15 Minuten darauf zu verwenden um zu lernen, wie man sie richtig bedient. Dort fängt es an. Pulsuhren sind durch ihre Technologie beschränkt, GPS-Messungen ebenfalls, auch bei der Leistungsmessung ist es so. Hier gilt: So gut als möglich. Das heisst, dass die Uhr aufgeladen, der Aufzeichnungsmodus entsprechend eingestellt, die Periphergeräte wie Leistungsmesser und Pulsgurt kalibriert und ihre Batterien aufgeladen sind. Stellt man sicher, dass das in den allermeisten Fällen passiert, ist die Qualität der Daten gut genug. Tut man es nicht... nun, das ist ein anderes Thema, denn hier landen wir sofort wieder bei der inneren Einstellung, dem Mindset und ähnlichem. Wollen oder Wollen wollen.


Das bringt uns zur Quantität. Wir haben bessere und weniger gute Tage, wenn wir trainieren und entsprechend verhält sich unser Körper. Messen wir also z.B. unsere Herzfrequenz und laufen einfach mal los, kann es vorkommen, dass unsere Herfzrequenz an einem wirklich guten Tag auf einmal tiefer ist als wir es erwarten würden. Wenn wir dann aus dieser einzelnen Messung schliessen, dass DAS nun unsere Herzfrequenz für eben jenes Training ist, hat das in etwa die gleiche Aussagekraft wie die Behauptung, dass es im Meer keine Wale gibt - weil sich in dem Löffel Meerwasser, den wir gerade halten, keine Wale finden lassen.


Zeichnen wir regelmässig alles auf, bekommen wir hingegen mit der Zeit ein gutes Bild davon, wie unser Körper unter welchen Umständen auf welche Reize und Belastungen reagiert. Womit wir die Möglichkeit haben, sie zu verbessern.


Was also messen wir im Sport?


Ich kann hier nur dahingehend aus dem Nähkästchen plaudern, indem ich festhalte, was ICH für wichtige Daten halte:


Alles.


Etwas weniger scherzhaft ausgedrückt: im Sport selbst messe zeichne ich Dinge wie meine Herzfrequenz, meine Geschwindigkeit, Schritt- und Trittfrequenz und meine Leistung auf. Und im mindestens dazu halte ich auch meine Athletinnen und Athleten an. Neben dem Sport sieht es anders aus, doch das ist ein ganzes Thema für sich.


Am Ende läuft es wie immer auf die drei "goldenen Fragen" hinaus - und auf die Tatsache, dass man nur verbessern kann, was man auch misst.


Herzlich,

Fabian


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