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  • Fabian Kremser

Comfortably Numb

Aktualisiert: 3. März

Jaja, mal wieder Pink Floyd. Ich mag die eben und dieses Lied ganz besonders, denn abgesehen von einem der deftigsten Gitarrensolos, die ich persönlich kenne, bedient auch der Text etwas, das mir in letzter Zeit immer mehr auffällt: Abstumpfung, eine Art Taubheit gegenüber… allem?

Schnellbleiche für alle, die das Lied und seinen Ursprung nicht kennen: es ist Teil des musikalischen Epos "The Wall" von Pink Floyd. In der Geschichte geht es darum, dass ein Musiker – Pink – unter dem ganzen Druck, der ihm von der Musikindustrie gemacht wird, nach und nach zugrunde geht, bis er einen emotionalen Schutzwall – "The Wall" – um sich herum aufbaut und dahinter erst verzweifelt ("Is there anybody out there?") und sich dann komplett zurückzieht. Alles wird "angenehm taub". Comfortably Numb.


…was hat das mit unserer Zeit zu tun?


Vor kurzem sah ich vor dem Schwimmbad zwei Jugendliche, die sich auf ihrem Handy gegenseitig irgendwelche Videos zeigten. Sie lachten, kreischten, "Oooooh, krass!"… an sich ja nichts Schlimmes. Dachte ich. Bis ich, mit einem Ohr hinhörend, aufschnappt, dass sie sich da am Laufband Videoaufnahmen ansahen, auf denen Menschen auf unterschiedliche Weise ziemlich schwer verletzt wurden.


"Schau' dir den an, da fährt einer mit irgendwie über 100 Kilometern voll durch eine Stadt und rammt dann voll ein Auto, total krass wie der fliegt!"


"Hast du den gesehen? Der bedroht einen Polizisten mit dem Messer bis sein Kollege auf ihn schiesst!" … "Hey, ich dachte, so eine Pistole sei lauter?"


…und so weiter.


Vielleicht ist das alles nicht bequem, aber da ist auf jeden Fall eine gewisse Taubheit vorhanden.


Ich bin kein "Früher war alles besser"-Typ, doch DAS war definitiv anders vor 15, 20 Jahren. Wenn ich mich daran erinnere, wie traumatisiert ich war, als ich bei Freunden zuhause in dem Tanzfilm "Anna" per Zufall den Autounfall sah, bei dem die Hauptdarstellerin im Film dann Querschnittgelähmt wird… Ich war zwei Wochen krank danach.


Etwa im selben Alter sah ich aus dem Auto, wie in Frauenfeld ein Haus brannte. Das nahm mich dermassen mit, dass ich danach, ratet mal, krank wurde.


Per Zufall sah ich bei einem Freund, der sich regelmässig damit brüstete, nur die "härtesten Filme" anzusehen, einen Stephen King-Streifen, der mich für Wochen nachhaltig traumatisierte.


Okay, vielleicht bin ich ein Weichei, das kann gut sein. Und vielleicht habe ich auch damals nicht der Norm entsprochen und derartige Dinge haben mich mehr mitgenommen als andere.


Doch mal im Ernst… warum sehen sich 8, 10, 12jährige auf Telefonen in Ultra-HD an, wie echte Menschen von Autos überfahren, niedergeschossen, geschlagen werden? Keine Filme, bei denen wenigstens noch pro Forma eine Altersbeschränkung draufgeklatscht ist, sondern… echt? Echte Gewalt, echter Tod, echte Zerstörung? Bequem am Handy und zur Belustigung?


Das kann doch nicht gut gehen?


Und irgendwie fällt es mir sehr, sehr schwer, da Verständnis aufzubringen für die Eltern, die "das nicht wissen". Was für eine absolut verblendete, faule Ausrede! In dem Moment, in dem man Kindern Zugang zum Internet gibt, werden sie suchen, denn Kinder sind neugierig. Und sie werden finden, Jugendschutz-Filter hin oder her (den kann man ganz einfach ausschalten, das wissen die Kleinen meist besser als die Eltern, die ihn installieren).


Ich weiss nicht, wie ich mit so etwas umgehen soll. Und ich weiss nicht, wie man diesen Zug noch aufhalten kann, wenn es denn überhaupt möglich ist. Ich weiss nur, dass es mir wirklich Angst macht.


Herzlich,

Fabian


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