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  • Fabian Kremser

Bauernopfer

Aktualisiert: 6. Jan.

Nein, das bezieht sich nicht darauf, die Landwirte dem Kapitalismus zum Frass vorzuwerfen, sondern auf das Spiel Schach. Mir ist das zwar immer noch ein Rätsel, doch im Ansatz habe auch ich verstanden, dass es dabei um Strategie geht - und man manchmal einen Bauern opfern muss, um am Ende den König matt zu setzen.

Mit dem neuen Jahr ist auch ein guter Zeitpunkt da, um das Thema der Veränderung in Angriff zu nehmen - oder, wie in diesem Fall hier, die Serie der letzten Tage abzuschliessen. Um dann vielleicht Anlauf zu holen und diverse Dinge umzusetzen. Wer weiss.


Am 31. Dezember habe ich davon geschrieben, wie man sich Schritt für Schritt durch verschiedene... puh, was sind das denn? Stadien? Phasen? Stufen? Es ist immer so eine Sache mit diesen Dingern, es wirkt viel zu schnell wie eine Schublade, die es eigentlich gar nicht ist... nun, nennen wir es 7 Schritte, von denen aus man jeweils mit oder ohne Hilfe abspringen und etwas neues beginnen kann. Schritt 8 besteht nun aus eigentlich zweien, denn entweder führt er einen wieder zum Ausgangspunkt zurück ("Ich will / würde gerne / werde aber vermutlich nie XY in meinem Leben verändern") oder an einen Punkt, an dem man einen klaren Schnitt macht und tatsächlich aus dem Rad herauskommt.


Die erste Möglichkeit ist nun eben das "Bauernopfer", wobei der Bauer in diesem Fall man selbst und das "grosse Ganze", dem man sich opfert, vielleicht der liebe Friede ist. Oder das vermeintliche Allgemeinwohl. Oder die Familie, die sich sonst unwohl fühlen würde. Oder der Chef, der ohne einen aufgeschmissen ist. Und so weiter...


Dieser Schritt ist eine Art Resignation. Man gibt ganz einfach auf und lässt sich zurückfallen. Es war wohl nicht für mich bestimmt, oder so. Am Ende ist es wahrscheinlich besser, wenn ich eben NICHT...


Wie kann es dazu kommen? Wie kann man an einen Punkt kommen, an dem man einfach aufgibt, nachdem man sich Schritt für Schritt durch jede einzelne Mühsal der Veränderung gekämpft und gelitten hat?


Das Problem ist in erster Linie ja, dass das mit der Veränderung meistens eine sehr einseitige Sache ist. Es gibt hier das schöne, leider aber nur allzu wahre Beispiel des Krebseimers: Wenn man einen Haufen Krebse oder Krabben in einen Eimer setzt, werden sie übereinander kriechen, sich aber nicht weiter behelligen - sie sitzen alle im selben "Boot". Wenn dann allerdings einer auf die Idee kommt, über die anderen hinweg zum Rand hin und in Richtung Freiheit zu klettern, werden ihn die anderen an den Beinen packen und zurück in den Eimer ziehen. Wenn wir es nicht haben können, kannst du es auch nicht.


Wie viele von uns sitzen tatsächlich in Krebseimern, anstatt in Umfeldern, die uns in solchen Momenten eine metaphorische Räuberleiter machen würden?


Ich habe es schon öfters erlebt, dass in meinem Coaching Menschen komplett am Boden zerstört waren, weil sie ihr allernächstes Umfeld nicht etwa in ihren Zielen unterstützte, sondern sie aktiv daran hinderte, wirklich etwas zu erreichen in ihrem Leben. Und dabei spreche ich nicht einmal nur vom Sport.


"Ach, in drei Wochen hast du es eh satt und wirst wieder vor dem Fernseher deine Chips essen, da mache ich mir keine Sorgen!"


"Warum willst du denn abnehmen? Du bist halt etwas fester, ich bin es ja auch, das passt doch gut zusammen!"


"Ein Marathon? Das schaffst du nie, du kannst ja nicht mal auf den Zug joggen ohne fast zu sterben!"


"Gesünder essen? Dann geh' doch auf die Weide mit den Kühen grasen!"


"Nahrungsergänzung? Den Scheiss braucht kein Mensch, das ist sowieso wieder nur Geldmacherei und du bist zu dumm, es zu erkennen!"


Unschön, oder?


Das sind alles Beispiele, die ich in den letzten 4 Jahren 1:1 so miterlebt habe. Und immer kamen diejenigen, die mit solchen Sätzen um sich warfen, aus dem allernächsten Umfeld. Das waren Geschwister, Eltern, Ehepartner, Freundinnen und Freunde.


Das sind reale Dinge, mit denen man sich teils konfrontiert sieht, wenn man bekannt gibt, das Leben verändern zu wollen. Die Krebse packen zu und ziehen einen zurück in den Eimer, bevor man den Rand überhaupt erreicht hat. Wundert es da, dass man sich irgendwann einmal fallen lässt?


Vielleicht stimmt es ja...


...vielleicht kann ich es wirklich nicht durchziehen, anstatt abends am Fernseher Chips zu essen, einen kurzen Spaziergang zu machen. Vielleicht lasse ich es gleich von Anfang an...


...vielleicht stimmt es ja. Vielleicht muss ich gar nicht abnehmen. Ich fühle mich zwar unwohl, aber sie ist auch nicht gerade eine Gerte und ich habe Angst, dass sie mich verlässt...


...vielleicht kann ich wirklich keinen Marathon laufen. Ich träume zwar davon, aber es stimmt ja auch... ich breche wirklich fast zusammen, wenn ich mal ein wenig schneller gehen muss...


...vielleicht lasse ich das wirklich, wenn ich nur die ganze Zeit gehänselt werde. Und SO gerne habe ich Salat ja nun auch nicht... lieber den Frieden bewahren, das wird schon richtig sein...


...vielleicht stimmt es ja. Vielleicht ist das wirklich nicht nötig und er hat offenbar im Internet recherchiert. Ich will ihn nicht wütend machen, also lasse ich es lieber...


Das ist die eine Möglichkeit und die meisten von uns waren irgendwann schon mal an diesem Punkt. Ich ebenfalls. Doch... was ist besser? Nachgeben, damit man möglichst niemandem auf die Füsse tritt? Oder...


Herzlich,

Fabian


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